Fans von Rot-Weiß Essen haben in einem Spiel am vergangenen Wochenende sexistische Sprechchöre gegen die DFB-Schiedsrichterin Fabienne Michel angestimmt. Während des Spiels beim SC Verl skandierten sie laut einem Bericht der "Sportschau" zunächst "Hure, Hure". Im Verlauf der 90 Minuten stimmten die Anhänger dann "Die Blonde wird gef*** olé, olé" an und sangen ein unter Essener Anhängern beliebtes Lied, in dem die Angesprochene zum Oralverkehr aufgefordert wird.
Hauptgrund für die derben Ausfälle war die 24. Minute, als Verl durch ein Tor von Berkan Taz in Führung ging. Bei dem vorangegangenen Solo von Taz stand Michel dem Verteidiger Klaus Gjasula im Weg, der so nicht mehr entscheidend stören konnte. Als sich Gjasula danach bei der Schiedsrichterin beschwerte, zeigte sie ihm die gelbe Karte. "Da hat sie nun mal ganz, ganz beschissen gestanden und dann darauf zu reagieren, in dem sie dem Spieler gelb gibt, das finde ich einfach unsouverän", sagte der Trainer der Essener, Uwe Koschinat nach Schlusspfiff.
Keine Reaktion während des Spiels – auch nicht von Fabienne Michel
Dennoch stellten Koschinat wie auch andere Essener Profis klar, dass sie nicht wegen des Fehlers der Schiedsrichterin am Ende mit 0:3 verloren, sondern weil sie einfach schlechter waren.

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Während des Spiels gab es weder auf dem Platz noch unter den Offiziellen am Spielfeldrand eine Reaktion auf die sexistischen Gesänge. Danach habe der Schiedsrichterbeauftragte des FC Verl auf die Vorfälle hingewiesen, aber in der Nachbesprechung und im Gespräch mit Schiedsrichterin Michel seien sie kein Thema gewesen.
Mittlerweile ermittelt der DFB in der Causa, nachdem der Verband durch die Recherchen der "Sportschau" auf die Vorfälle hingewiesen worden ist. Unmittelbar nach er Partie hatte nur die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" davon berichtet.
Sexismus ist im Fußball kein großes Thema
Sexismus ist im Fußball im Gegensatz zum Rassismus und anderen Diskriminierungen kein größeres Thema. Sexistische Sprüche und Frauenfeindlichkeit werden im von Männern dominierten Fußball hingenommen oder gelten gar als normal.
"Wenn Sexismus in so massiver Form wie in diesem Beispiel auftaucht und dann von kaum jemandem als solcher erkannt beziehungsweise thematisiert wird, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass das in diesem Kontext der Normalzustand ist", sagte Fanforscher Gabler der "Sportschau". "Sexismus ist im Fußball immer noch normalisiert."

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Schon die bisher einzige Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga der Männer, Bibiana Steinhaus, wurde regelmäßig mit den wüstesten Beschimpfungen wie "Hure" oder "Schlampe" im Stadion bedacht. Steinhaus pfiff von 2017 bis 2020 in der höchsten Spielklasse. Überhaupt beträgt der Anteil der Frauen an den Schiedsrichterinnen in ganz Deutschland nur 4,5 Prozent, und in der Regel pfeifen sie Frauenspiele. In den ersten drei Männer-Ligen ist Fabienne Michel, die auch Fifa-Schiedsrichterin ist, tatsächlich die einzige Frau.
Quellen: "Sportschau", "Liga3-online", "kicker"
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