Was ist eigentlich los beim FC Bayern? Diese Frage wird seit Wochen rauf und runter diskutiert. Zum Protagonisten der Diskussionen wird zunehmend Sportvorstand Max Eberl. Der hat gute Argumente für sich, aber offenbar auch eine Art, die aneckt.

Max Eberl kann viele gute Argumente vorbringen, warum seine Arbeit beim FC Bayern erfolgreich ist. Er hat mit den Vertragsverlängerungen von Jamal Musiala, Alphonso Davies und Joshua Kimmich die Zukunft abgesichert. Die drei durchaus umworbenen Fußballer bleiben beim Rekordmeister, allerdings zu einem hohen Preis. Das ist ein Problem für den Großklub aus München. Und besorgt vor allem einen Mann: Uli Hoeneß. Mehr dazu gleich.

Eberl hat noch weitere gute Argumente: Nach einer aberwitzigen Trainersuche zauberte er völlig überraschend Vincent Kompany aus dem Hut und kann behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Zumindest ist das der Stand an diesem 2. April 2025. Und mit dem Franzosen Michael Olise war ihm im Sommer des vergangenen Jahres ein Transfercoup gelungen. Der 23-jährige Flügelstürmer weckt Erinnerungen an die großen Robbery-Zeiten beim FC Bayern. Das alles kann sich sehen lassen. Ebenso wie die sportliche Bilanz: Tabellenführer der Bundesliga (trotz Schwächen zuletzt) und Viertelfinalist in der Champions League. Das Aus im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen war vor allem bitter, weil die Mannschaft in langer Unterzahl eigentlich deutlich besser war.

Und doch rumort es an der Säbener Straße. Offenbar schon länger. Bereits zum Ende der Transferphase im Winter schrieb der "Kicker", dass Eberl "unter genauer Beobachtung" stehe. Die Schlagzeile damals lautete: "Der Druck wächst." Hinter den Kulissen, hieß es, gebe es "einige Irritationen". Vor wenigen Tagen meinte Sky-Experte Lothar Matthäus zum Verhältnis zwischen dem immer noch mächtigen Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß und Eberl: "Es sieht so aus, als würde die Chemie nicht ganz stimmen." Der in München ungern gehörte Didi Hamann befand, der Aufsichtsrat um Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie Eberl seien "zu oft unterschiedlicher Meinung".

Alleingänge. Kommunikationsdefizite. Mangelnde Abstimmung.

Das Portal ran.de schrieb derweil von einem "Insider", der "von einer wachsenden Unzufriedenheit mit Eberl in den Vereinsgremien berichtet". Laut "Süddeutscher Zeitung" ist Eberl gar "zwischen alle Argumentationslinien geraten". Es stehe die Frage im Raum, "ob die Aufsichtsräte ihrem Sportvorstand den Kaderumbau im Sommer zutrauen". Sky wurde nochmal deutlicher. "Der Vorwurf an Max Eberl: Zu viele Alleingänge. Zu wenig interne Kommunikation. Mangelnde Abstimmung." Selbst "der große Knall", also eine Trennung, sei nicht auszuschließen.

Eberl wird vorgeworfen, dass er den vom Aufsichtsrat vorgegebenen Spar- und Verkaufskurs nicht wunschgemäß umsetzt. Im Sommer 2024 scheiterte etwa der Verkauf des damals als verzichtbar ausgemachten Großverdieners Leon Goretzka. Den Sparkurs hatte Hoeneß Eberl höchstselbst mit dem legendären Satz, der FC Bayern habe "keinen Geld-Scheißer", im Juli verordnet. Da sagte Hoeneß auch, Linksverteidiger Davies bekomme nicht mehr Geld - bekam er von Eberl dann aber doch. Eberl musste unter Druck arbeiten. Die Vorplanung, Deals weit vor dem letzten Vertragsjahr vorzuentscheiden, konnte er nicht leisten. Zu kurz war er im Amt. Und dennoch durfte man sich über bestimmte Entscheidungen wundern: Die vom Sportchef betriebene Verpflichtung von Bayer Leverkusens Abwehrchef Jonathan Tah scheiterte etwa an vergleichsweise läppischen fünf Millionen Euro.

Es ist finanziell einiges aus dem Ruder gelaufen beim FC Bayern. Im Kader des Rekordmeisters wird offenbar über die Maßen gut verdient, hinzu kommen arg teure, nicht aufgegangene Transfers. Etwa jene von Sacha Boey (für 30 Millionen Euro) und Joao Palhinha (für 51 Millionen Euro). Der Portugiese war der Wunschspieler von Coach Thomas Tuchel, der aber gar nicht mehr im Amt war, als der Wechsel schließlich mit einem Sommer Verspätung (2024 statt 2023) eingetütet wurde. Nachfolger Kompany kann mit dem Sechser derweil nur wenig anfangen. Von einer Stammkraft ist er meilenweit entfernt. Durchsetzen will er sich trotzdem. Wie Goretzka es getan hat.

Hasan Salihamidzic verteidigt sich

Die ausgeuferten Personalkosten werden allerdings als Altlast definiert und vor allem dem ehemaligen Chef-Duo Oliver Kahn und Hasan Salihamdizic zugeschrieben. Der Ex-Sportvorstand kann die Kritik daran derweil nicht nachvollziehen. In der "Sport Bild" verteidigte er sich nun gegen die immer laut werdenden Vorwürfe, er habe wegen überzogener Vertragsabschlüsse zu seiner Zeit die astronomisch hohen Gehaltskosten des aktuellen Bayern-Kaders zu verantworten: "Man muss das fairerweise immer im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt sehen, in dem die einzelnen Verträge geschlossen wurden", sagte er. Als Champions-League-Sieger sei es die Aufgabe gewesen, die besten Spieler im Team zu halten.

"Auch wenn es am Ende viel Geld war, die Spieler waren im besten Fußball-Alter - ob Kingsley Coman, Leon Goretzka, Serge Gnabry, sie alle hatten Angebote von europäischen Spitzenklubs. Ich möchte nicht wissen, was los gewesen wäre, wenn wir einen von ihnen ablösefrei hätten ziehen lassen müssen", sagte Salihamidžić. "Zur Wahrheit zählt auch, dass wir im Transfersommer 2022 erstmals in der Geschichte des FC Bayern mehr als 100 Millionen Euro durch Spielerverkäufe eingenommen hatten." Dennoch räumte er ein: "Natürlich sind uns auch Fehler unterlaufen, wie das sicher vor uns der Fall war und künftig der Fall sein wird."

Auf die aufkommenden ersten Berichte über die angeblich interne Kritik an seiner Arbeit hatte Eberl Ende Januar noch gelassen reagiert: "Ich habe ehrlicherweise geschmunzelt. Aber fehlende Kommunikation? Sorry. Ob sie immer richtig ist, darüber können wir reden, aber fehlende Kommunikation definitiv nicht", sagte Eberl damals. Er versuche sich von den Dingen, "die spekuliert und geschrieben werden", relativ freizumachen. "Wir haben sportliche und finanzielle Planungen. Ich bin jetzt acht, neun Monate hier und habe das Gefühl, die ganze Vergangenheit wird dir um den Hals gehängt, was vielleicht Gehaltskosten betrifft oder dergleichen." Er versuche zusammen mit Sportdirektor Christoph Freund und Kompany "die Komplexität zwischen Sport, Finanzen und Planung zu managen und die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen." Und das nicht nur kurzfristig.

Vorwurf der Verschwendungssucht?

Mit den Verlängerungen von Musiala, Kimmich und Davies wurden viel beachtete Pflöcke für die Zukunft des Klubs eingeschlagen. Aber alles lief überraschend geräuschvoll ab und ließ tiefe Einblicke ins Innere des Vereins zu. Bei allen drei Verhandlungen gab es Komplikationen, die auf das Spannungsverhältnis in der Chefetage zurückzuführen waren. Als der Aufsichtsrat das Angebot an Kimmich zurückzog, drohte Eberl ein Gesichtsverlust. Wie nun im Fall der Vereinsikone Thomas Müller, dessen Weiterbeschäftigung der Sportvorstand im Januar noch mit unmissverständlichen Sätzen in Aussicht gestellt hatte, der jetzt aber womöglich gehen muss. Uli Hoeneß hatte auch hier den Weg geebnet. Er sagte, es sei "einer großen Karriere nicht würdig", wenn ein großer Spieler wie Müller dauerhaft nur noch Ersatzspieler wäre. Was man in diese Worte hineininterpretieren kann: Auch, weil er (Müller) dafür aktuell zu viel verdient. Hoeneß hatte damit ganz höflich den Weg zur Tür gewiesen.

"In Uli brodelt etwas, das merkt man. Auch, weil er sich Sorgen um die Finanzen macht. Das Festgeldkonto wird immer weniger, damit ist er nicht zufrieden", meinte etwa Lothar Matthäus: "Das wäre ich auch nicht, wenn ich als Vater Geld verdient hätte und meine Kinder verprassen es." Rummenigges jüngste Aussage, die Verlängerungen seien ja "alle recht ordentlich" gewesen, liest mancher als Vorwurf der Verschwendungssucht. Die geforderten Spielerverkäufe kann Eberl, der allerdings auch erst zwei Transferperioden verantwortet hat, nicht vorweisen. Eberl wiederum störte sich an der allzu frühen Meister-Ansage von Hoeneß ebenso wie an dessen öffentlichem Werben um Jungstar Florian Wirtz. Das Rummenigge ebenfalls massiv befeuerte.

Der Sportvorstand hält den Kritikern eben seine gelungene Trainerwahl, einen Kader mit "neuer Energie", den Transfer Olise und die Verlängerungen mit jenen Spielern entgegen, "die Bayern München in sich tragen". Als er Ende Februar, zum einjährigen Dienstjubiläum, gefragt wurde, welche Schulnote er sich geben würde, wich er aus. Früher, in der Schule, "hätten wir uns alle immer gerne bessere Noten gegeben. Die Noten gibt aber ein anderer." Wer, bleibt unklar. Hoeneß vielleicht? Der immer noch im mächtigen Aufsichtsrat sitzt und bei vielen Personalien wichtiges Mitspracherecht hat. Oder Rummenigge? Nun, "am langen Ende versucht man, den bestmöglichen Job zu machen", sagte Eberl. Den Rest "müssen andere bewerten".

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