Maximilian Mittelstädt ist gebürtiger Berliner, das muss an dieser Stelle gleich mal erwähnt werden. Er wechselte im Sommer 2023 für eine halbe Million Euro von der Hertha zum VfB Stuttgart, auch das spielt sicherlich eine Rolle, um seine Emotionen einordnen zu können.
Die Stuttgarter jedenfalls hatten am Mittwochabend den größten Pokalerfolg in der jüngeren Klubhistorie perfekt gemacht, 2013 standen sie letztmals im Finale des Wettbewerbs und unterlagen Bayern München 2:3, die Fans der Schwaben skandierten nach dem 3:1-Halbfinalcoup über RB Leipzig den Fußball-Klassiker „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ – und Mittelstädt brach in Tränen aus.
Kurz nach Mitternacht postete er dann bei Instagram eine Bilderserie. Sie zeigt ihn freudetrunken mit einem T-Shirt schwenkend, weinend in den Armen eines Mitspielers und das gesamte Team vor dem Tor beim Siegerfoto. „Wir fahren nach Berlin“, schrieb der 28 Jahre alte Verteidiger. Stuttgarts Torschütze Nick Woltemade kommentierte das mit drei Herz-Emojis, der VfB Stuttgart mit einem „JAAAAAAAAAAAAAAAAAA“.
Mittelstädt steckte einst in Berlin in der Karriere-Sackgasse
Ein einst in Berlin Gescheiterter, mittlerweile Nationalspieler, kehrt in die Heimat zurück. Ein Berliner, der mit Hertha jahrelang vergebliche Anläufe für den Sprung ins Endspiel des Pokals nahm, ist nun am Ziel seiner Träume. Ein Platz im einstigen Wohnzimmer, mit Arminia Bielefeld ein Drittligist als Gegner – der Abend des 24. Mai im Berliner Olympiastadion könnte aus Sicht von Mittelstädt und der Chance auf den Pokalsieg kaum schöner sein.
Er hatte das im Vorfeld des Duells gegen Leipzig in einem Vereinsinterview schon vorausblickend bekundet. „Es fängt damit an“, erzählte Mittelstädt, „dass ich als kleiner Junge häufig bei den Spielen im Stadion dabei war und das total beeindruckend fand. Später habe ich mein Profidebüt für Hertha BSC bei einem Heimspiel im Olympiastadion geben dürfen, viele Partien sind anschließend hinzugekommen und im Kopf geblieben. Der Ort hat eine besondere Bedeutung für mich.“ Nur auf Juniorenebene habe er das Finale zweimal erreichen und einmal sogar gewinnen können, berichtete Mittelstädt.
Gegen Leipzig hatte Angelo Stiller den VfB mit einem sehenswerten Volleyschuss (5. Minute) in Führung gebracht, Woltemade (57.) und Jamie Leweling (73.) führten die Gastgeber vor 60.000 Zuschauern mit ihren Toren zum Sehnsuchtsort Berlin. Damit ärgerten sie auch den mitfiebernden Red-Bull-Global-Head-of-Soccer- Fußballchef Jürgen Klopp auf der Tribüne. „Das ist richtig geil, wir freuen uns richtig drauf“, sagte der überragende Stuttgarter Nationaltorwart Alexander Nübel. Stürmer Benjamin Sesko konnte für die Gäste nur verkürzen (62.). Der zweimalige Pokalsieger Leipzig verlor damit erstmals ein Halbfinale im DFB-Pokal.
Stuttgart dagegen feierte 1997 zuletzt den Titel, es war der dritte nach 1958 und 1954. Neben Ruhm, Ehre und der 5,7 Kilogramm schweren Trophäe geht es sportlich für die Schwaben wohl auch um die Teilnahme am Europacup. Mit einem Endspielerfolg würde sich auch die Hoffnung auf die erneute Europapokal-Teilnahme erfüllen. In der Bundesliga ist der VfB momentan bis auf Rang elf durchgereicht worden.
Der Vizemeister der vergangenen Saison war durch Erfolge über Preußen Münster (5:0), den 1. FC Kaiserslautern (2:1), Jahn Regensburg (3:0), Borussia Mönchengladbach (2:0) und nun RB ins Endspiel eingezogen. Mit dem Erfolg gegen die Leipziger beendeten die Stuttgarter eine Negativserie von sechs Spielen ohne Sieg.
Mit dem Finaleinzug ist nicht nur bei Mittelstädt, sondern auch bei seinem Trainer Sebastian Hoeneß ein Traum von ihm persönlich in Erfüllung gegangen, die der VfB-Coach erzählte: „Das ist einfach großartig.“ Der 42-Jährige, der zehn Jahre in der Jugend und für die Amateure von Hertha BSC spielte und 2011 seine Trainerkarriere in Berlin bei der U19 von Hertha Zehlendorf begann, ist erst der zweite Trainer, der mit dem VfB Stuttgart die Champions League und das Pokalfinale erreichte, zuvor gelang dies nur Armin Veh.
Das zahlt sich natürlich nunmehr noch einmal äußerst üppig auch finanziell aus. Die beiden Finalisten haben durch ihre fünf bisherigen Siege im DFB-Pokal bereits knapp 6,5 Millionen Euro an Prämien eingenommen. Der Sieger von Berlin darf sich über zusätzliche 4,32 Millionen Euro freuen – der Verlierer erhält immerhin noch 2,88 Millionen Euro. Maximal springt damit für einen Klub im Wettbewerb allein gut 10,8 Millionen Euro an Preisgeldern raus. Dazu kommen noch die Zuschauereinnahmen aus den Runden zuvor.
Patrick Krull ist Sport-Redakteur der WELT. Das Pokal-Endspiel zwischen Bielefeld und Stuttgart stuft er als das interessanteste seit zehn Jahren ein.
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