Das ganze Leverkusener Dilemma wurde in einer Szene nach dem Schlusspfiff sichtbar. Granit Xhaka stand vor der Gästefankurve auf der Bielefelder Alm und diskutierte angeregt mit den enttäuschten Anhängern. Da war er wieder, der aggressive Leader, der entschlossen vorangeht, auch verbal. Oft hatte er das schon in der letzten und auch in dieser Saison gezeigt.

In dem denkwürdigen DFB Pokal-Halbfinale, wo es ein aggressives Verhalten gebraucht hätte, legte Xhaka dieses jedoch nicht an den Tag. Zumindest gelang es ihm nicht, zu seinen Teamkollegen durchzudringen. Denn ohne die grandiose Leistung der Bielefelder auch nur ansatzweise schmälern zu wollen: Wenn eine Mannschaft wie die von Bayer Leverkusen mit ihrer auch ohne den verletzten Florian Wirtz extrem hohen Qualität auf diese Art und Weise bei einem Drittligisten ausscheidet, muss etwas gründlich schiefgelaufen sein. Und das hat dann im weitesten Sinne auch etwas mit der Einstellung zu tun. Anders wäre dies sonst nicht möglich.

Die Stars von Xabi Alonso hätten wissen müssen, was sie in Bielefeld erwartet: ein aufopferungsvoll kämpfender Gegner, der sie früh attackieren wird – der alles daran setzen wird, um sie am Fußballspielen zu hindern. So hatte die Arminia zuvor bereits drei Erstligisten ausgeschaltet.

All das hatte Xabi Alonso seiner Mannschaft vorher noch einmal deutlich gemacht. „Wir waren darauf vorbereitet, dass Arminia uns mit Hochdruck attackieren wird. Aber wir haben fast alle Duelle verloren“, sagte er. Nur hatte auch auf ihn niemand gehört – was schon stark verwundert. Denn die Leverkusener galten bislang völlig zurecht als mental stark und robust. Robert Andrich, Xhakas Partner in der Mittelfeldzentrale, brachte es auf den Punkt: „Wir haben alles vermissen lassen, wo wir stark sind. So gewinnst du gegen keine Mannschaft der Welt.“

Trainer enttäuscht

Fakt ist: Die Leverkusener glaubten, sie hätten durch diese Halbfinal-Auslosung gegen einen unterklassigen Gegner eine Art Freifahrtschein ins Endspiel. Ein fataler Irrtum. In der vergangenen Saison, als die Mannschaft noch nahezu alles gewann, wäre sie dem kaum unterlegen. Das spürten die Fans – und waren verständlicherweise sauer. Auch der Trainer wusste das, wirkte deshalb nach dem Schlusspfiff so enttäuscht wie noch nie in seiner Zeit in Leverkusen.

Es kann nur eine Konsequenz aus dieser schon fast peinlichen Niederlage geben: Bayer muss schnell wieder die Gier und den Ehrgeiz aus dem Double-Jahr entwickeln. Auf dem Weg dahin kann die deutliche Selbstkritik, die die Spieler am Dienstag äußerten, ein wichtiger erster Schritt sein.

Nicht sehr hilfreich ist hingegen der Versuch von Geschäftsführer Fernando Carro, den stumpfen Rasen in Bielefeld zu thematisieren und deshalb eine Beschwerde beim DFB zu erwägen. Demnach solle dieser die Arminen bestrafen, weil sie den Untergrund nicht ausreichend gewässert hätten. Selbst wenn man nach einer schmerzhaften Niederlage manchmal unüberlegte Dinge sagt: Das war lächerlich und unter dem Niveau von Bayer 04.

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