Um im Aufstiegsrennen endlich die Nase vorn zu haben, lässt der Hamburger SV nichts unversucht. In einem Kurztrainingslager auf Mallorca stimmt sich der Fußball-Zweitligaverein noch bis zum Mittwochabend auf den Saisonendspurt ein. Am kommenden Samstag (13 Uhr, Sky) steht dann das Spiel beim 1. FC Nürnberg an.
Vor der möglicherweise richtungsweisenden Partie spricht der zurückgekehrte Top-Torjäger Robert Glatzel über den harten Konkurrenzkampf im Sturm des Traditionsvereins, schöne Momente während der langen Rehaphase und die Bedeutung von Trainer Merlin Polzin.
Frage: Herr Glatzel, der HSV spielte zuletzt nur 0:0 gegen Elversberg und verlor die Tabellenführung an Köln. Müssen sich die Fans schon wieder Sorgen machen, dass der Aufstieg erneut im Frühling verspielt wird?
Robert Glatzel (31): Ich habe nach dem Spiel einige Nachrichten bekommen, in denen es sinngemäß hieß: Das war ein Rückschlag für den HSV. So sehe ich das aber nicht, es war maximal ein kleiner Dämpfer der aktuellen Euphorie, mehr jedoch nicht. Man muss sich um uns keine Sorgen machen!
Frage: Warum sind Sie so sicher?
Glatzel: Aufgrund der Art und Weise, wie wir gespielt haben – und das gegen einen sehr guten Gegner. Wir standen stabil, spielten voll auf Sieg. Das Thema Frühjahrskrise spielt überhaupt keine Rolle bei uns. Es wird lediglich von außen thematisiert, wenn die Ergebnisse ausbleiben. Das ist halt Hamburg. Wir als Mannschaft sind so gefestigt und gestärkt, dass uns das nicht aus der Ruhe bringt.
Frage: Sie sprechen die Mannschaft an: Was ist der Unterschied zu den Vorjahren?
Glatzel: Was die aktuelle Situation von den vergangenen Jahren unterscheidet: Die Verantwortung wurde auf viel mehr Schultern verteilt. Acht, neun Spieler packen nun an und gehen voran. Das waren in der Zeit davor drei, vier Spieler. Das stärkt uns als Mannschaft.
Frage: Was spricht noch für den HSV?
Glatzel: Der Kader, wir haben viele und unterschiedliche Waffen. Wir haben ein super Trainer-Team, angeführt von Merlin Polzin. Durch die Tatsache, dass er jahrelang Co-Trainer war, konnte er eine sehr gute Bindung zu den Spielern aufbauen. Das sorgt für großes Vertrauen, das sieht man auf dem Platz. Dazu kommen unsere unfassbaren Fans und unsere Heimstärke. Wir haben noch kein Spiel im Volksparkstadion verloren – und unser Stadion soll bis zum Saisonende eine Festung bleiben.
Frage: Der HSV hat überraschend ein Kurz-Trainingslager auf Mallorca bezogen. Sinnvoll?
Glatzel: Ja, weil man als Mannschaft nochmals enger zusammenrückt, dort hart und konzentriert – aber auch mit der entsprechenden Freude – arbeitet. Doch wir wissen auch: Ist das Ergebnis in Nürnberg am Samstag nicht positiv, wird es uns negativ ausgelegt.
Frage: Wo sehen Sie Gefahren in der Saison-Crunchtime?
Glatzel: Dass man denkt, es wird schon irgendwie laufen, dass man den Gegner unterschätzt. Aber das werden wir nicht zulassen.
Frage: Könnte die weiter ungeklärte Vertragssituation von Davie Selke für Unruhe sorgen?
Glatzel: Ich glaube nicht, dass das Thema Davie auf dem Platz beeinflusst. Uns als Mannschaft tut es das auf jeden Fall nicht.
Frage: Gegen Elversberg saßen mit Ihnen und Ransford Königsdörffer zwei Top-Stürmer vorerst auf der Bank. Wie schwer ist es, das eigene Ego hintanzustellen?
Glatzel: Klar will jeder spielen. Ist das nicht der Fall, ist man als Spieler sauer. Doch das große Ziel steht über allem: der Aufstieg. Dem muss sich jeder unterordnen. Das sprechen wir wöchentlich immer wieder an. Und was meine Situation betrifft: Ich kann diese nach meiner langen Verletzungspause richtig einordnen.
Frage: Das heißt?
Glatzel: Die anderen (Selke und Königsdörffer, Anm. d.Red.) haben es in der Zeit meiner Abwesenheit überragend gemacht. Ich kann nicht erwarten, dass ich nach meiner Rückkehr sofort wieder von Anfang an spiele. Auch wenn ich immer Stammspieler war, werde ich mich unterordnen und von hinten Druck machen. Um so schnell wie möglich mehr Spielminuten zu sammeln und der Mannschaft mit Toren wieder helfen zu können.
Frage: Polzin könnte mit zwei Mittelstürmern spielen lassen – also mit Ihnen und Selke …
Glatzel: Die Entscheidung trifft der Trainer. Im Moment spricht für mich sehr wenig dafür, dass wir von Anfang an zusammenspielen. Denn wir sind ganz erfolgreich mit dem aktuellen Spielsystem (4-3-3 mit zwei Außenstürmern, Anm. d.Red.).
Frage: Im Oktober erlitten Sie einen Sehnenabriss im Übergangsbereich zwischen Hüfte und Oberschenkel. Wie erleichtert waren Sie nach Ihrem Comeback Mitte März?
Glatzel: Ich bin superglücklich, dass ich wieder richtig gesund bin und der Zeitplan eingehalten werden konnte. Da gilt mein Dank vor allem unseren Ärzten, Physiotherapeuten und Reha-Trainer Sebastian Capel. Denn es gibt ja auch andere Beispiele, dass Spieler während der Reha mal Rückschläge erleiden. Während der Aufbau-Phase gab es drei schöne Momente für mich.
Frage: Welche?
Glatzel: Als ich Ende November meine Krücken wegwerfen konnte, Anfang Januar das erste Mal wieder Fußballschuhe anziehen sowie leichtes Individualtraining absolvieren konnte. Und als ich im Februar wieder ins Mannschaftstraining einstieg und mein erstes Trainingstor erzielte, niemals zuvor bejubelte ich eines von mir so laut. Jetzt hoffe ich auf den Aufstieg mit dem HSV, denn die Lust auf die Bundesliga ist groß.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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