Der Ton ist gesetzt, das ist nunmehr nicht mehr aus der Welt zu schaffen – und es wird dem FC Bayern nicht gefallen. Nach der Äußerung von Lothar Matthäus am Sonntag via „Bild“ („Es sieht so aus, als würde die Chemie nicht ganz stimmen, als sei es nicht so harmonisch in der Führung“) schlug nun auch der Ex-Bayer Dietmar Hamann in die gleiche Kerbe.

Er richtete in der Talkrunde „Sky90“ den Fokus auf die jüngsten Vertragsverlängerungen bei den Münchenern. Es sei zwar gelungen, Leistungsträger langfristig an den Verein zu binden. Der Verein muss dafür aber einen finanziellen Kraftakt stemmen. Daran nimmt Hamann Anstoß.

Er nahm die Kontrakte von Alphonso Davies (Vertrag bis 2030), Jamal Musiala (ebenfalls bis 2030) und Joshua Kimmich (bis 2029) unter die Lupe. Davies bekommt einem Bericht der „Sport Bild“ zufolge 15 Millionen Euro Grundgehalt, das mit Bonuszahlungen auf 20 Millionen Euro ansteigen kann – ein Handgeld in ähnlicher Höhe für seine Vertragsunterschrift soll demnach noch obendrauf gepackt worden sein. Laut „Bild“ soll der 30 Jahre alte Kimmich nach wie vor sein geschätztes Gehalt von rund 20 Millionen Euro beziehen und der 22-jährige Musiala etwa 25 Millionen Euro pro Saison einstreichen.

„Im Moment ist der FC Bayern schwach“, konstatierte Hamann

Hamann wertet diese Gehaltsposten als ein Problemfeld, das die Vereinsführung geschaffen hat. „Die Spieler wussten früher, was sie am FC Bayern haben. Wenn Hoeneß und Rummenigge gerufen haben, konntest du fast nicht Nein sagen. Im Moment ist der Verein schwach“, sagte der Fußball-Experte. Der Aufsichtsrat um Gremiumsmitglied Hoeneß und der Vorstand um Manager Max Eberl seien „oft unterschiedlicher Meinung. Auf dem Rücken dieses Zwists haben Musiala, Kimmich und auch ein Davies Gehälter raus geschlagen, die astronomisch sind. Die stehen in keinem Verhältnis, was die Spieler wert sind“.

Hamann zog die Parallele zur englischen Liga. Der Vertrag von Liverpools Linksverteidiger Trent-Alexander Arnold lief wie der von Davies und Kimmich im Sommer aus. Er wird zu Real Madrid wechseln. „Der verdient jetzt keine 15 Millionen Euro – ablösefrei, 26 Jahre alt. Der ist im besten Alter“, konstatierte Hamann und berichtete: „Reals Vereinspräsident erzählte, man habe Arnold gesagt: ‚Du kannst zu unserem Verein kommen, aber zu unseren Bedingungen. Wenn du mehr verdienen willst, kannst du in Liverpool bleiben oder musst woanders hingehen.‘ Die Bayern haben sich immer mit Real Madrid verglichen. Im Moment aber werden Spieler geholt oder gehalten, die mit Geld zugeschüttet werden, es aber gar nicht wert sind.“

Er nahm dabei insbesondere Musiala ins Visier. Der sei „der drittbest verdienende Spieler Europas hinter Mbappé und Haaland. Und ein Davies ist nicht weit dahinter, als Linksverteidiger“. Aus Sicht von Hamann habe der Aufsichtsrat des FC Bayern „Sachen durchgewinkt, im Aufsichtsrat wider Willen, weil es schon so spät war und bei Davies und Musiala die Zeit davon gelaufen ist. Sachen also, die man eigentlich nicht machen sollte“.

Ob er glaube, dass Hoeneß in den kommenden Tagen oder Wochen ein Machtwort spreche oder sich irgendetwas Entscheidendes tun werde, wurde Hamann in der Sky-Runde gefragt. Die Position des Sportvorstands, antwortete Hamann, „wird mit Sicherheit, spätestens am Saisonende, Thema werden“.

„In Hoeneß brodelt es“, sagt Matthäus

Hoeneß hatte unlängst Alarm geschlagen. Das einst so legendäre Festgeldkonto wäre vor ein, zwei Jahren noch richtig üppig gewesen, ließ er wissen. Dann fügte der Bayern-Patron mahnend wie besorgt an: Inzwischen sei es deutlich kleiner geworden. Anfang März wurde der Sportvorstand vom Aufsichtsrat noch einmal eindringlich daran erinnert, dass die Gesamtbezüge der Spieler gesenkt werden müssen. Es muss diesen Sommer Spieler-Verkäufe und daraus resultierende Transfer-Einnahmen geben. Die Gehaltskosten des Spielerkaders seien nach wie vor zu hoch.

Die Bayern-Bosse lasten das zwar in erster Linie dem ehemaligen Führungs-Duo Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn an. Allerdings wurden bei Eberls Vertragsabschlüssen von Jamal Musiala und Alphonso Davies ebenfalls die Gehälter erhöht, Joshua Kimmich soll zukünftig zumindest nicht weniger verdienen.

Auch Fußball-Experte Matthäus hatte am Sonntag konstatiert, „dass einiges nicht so im Reinen ist, wie es die sportliche Situation vermuten ließe. Es sind Unstimmigkeiten da, diese sind über die vergangenen Monate auch immer wieder nach außen gedrungen“. Er hatte Bezug auf die offiziell noch schwelende Personalie von Thomas Müller genommen. Muss er gehen, darf er bleiben?

Der „Kicker“ hatte berichtet, dass die 35 Jahre alte Klub-Ikone keinen neuen Vertrag mehr im Sommer bekommen werde und in dieser ganzen Gemengelage „in Hoeneß etwas brodelt“, so Matthäus: „Auch, weil er sich Sorgen um die Finanzen macht. Das Festgeldkonto wird immer weniger, damit ist er nicht zufrieden. Das wäre ich auch nicht, wenn ich als Vater Geld verdient hätte und meine Kinder verprassen es.“

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