Seit Tagen wabern immer lautere Gerüchte durch Deutschland: Thomas Müller wird in der kommenden Saison nicht mehr das Trikot des FC Bayern tragen. Was alle längst wissen, hat der FCB noch nicht kommuniziert. Er gibt ein ganz schlechtes Bild ab, anders als ein großer Rivale im vergangenen Jahr.

Der Spieler Thomas Müller wird den FC Bayern München in diesem Sommer verlassen müssen. Das berichtet in dieser Woche zuerst die "Bild" und einige Tage später dann auch der "Kicker". Wer davon nichts berichtet, ist der FC Bayern München. Das ist ein unwürdiges Trauerspiel. Eine Vereinslegende hat einen anderen, einen würdigeren Abschied verdient als sich über Monate ziehende Gerüchte.

Die Zeit von Thomas Müller als sich stets neu erfindender Gestalter in der Bayern-Offensive ist abgelaufen. Darüber kann es kaum zwei Meinungen geben. Wurde er unter Trainer Thomas Tuchel noch bei einigen Spielen für einen den Gegner aus der Fassung bringenden Müller-Moment hineingeworfen, so spielte er zuletzt unter Vincent Kompany kaum noch eine Rolle. Vom Torschützen ohne Ballberührung beim Saisonauftakt in Wolfsburg hin zu wenigen Minuten Spielzeit bei seinen jüngsten Auftritten. Trotzdem, so heißt es beim "Kicker", hatte Müller bis zuletzt auf einen neuen Vertrag gehofft. Sportlich verdient hatte er sich diesen jedoch nicht unbedingt.

Er würde die Vereinsikone "als Mensch und als Mitglied der Mannschaft auf jeden Fall behalten", hatte Ehrenpräsident Uli Hoeneß zuletzt betont. Aber, schränkte er ein: "Wenn die Situation so ist, dass er nur noch Aus- oder Einwechselspieler ist, dann würde ich ihm raten, aufzuhören. Das ist einer großen Karriere nicht würdig, als Ersatzspieler auf der Bank zu sitzen."

Das Gesicht des FC Bayern

Das war in dieser Saison jedoch immer häufiger der Fall. Bei seinen insgesamt 35 Saisonauftritten in allen Wettbewerben absolvierte er nur 1260 Minuten, stand also im Schnitt pro Einsatz nur 36 Minuten auf dem Platz. Zu wenig für einen, der immer noch zu den Topverdienern des FC Bayern München gehört. Der Rekordmeister muss abspecken, muss die Personalkosten runterfahren. Weil aber mit Joshua Kimmich, Manuel Neuer und Alphonso Davies bereits drei Verträge zu wohl auch sehr guten Konditionen für die Spieler verlängert wurden, muss an anderer Stelle gespart werden. Laut "Kicker" verhindert nur das Startgeld von rund 30 Millionen Euro bei der umstrittenen Klub-WM in diesem Sommer ein bilanzielles Minus im laufenden Geschäftsjahr 2024/2025.

Der Spieler Müller hatte sich zuletzt zugeknöpft gezeigt. Nach dem 3:2 gegen FC St. Pauli hatte er sich in der Mixed Zone ausgeschwiegen, während die Bosse Allgemeinplätze an den Mann brachten. "Ich glaube, das ist die große Breaking News. Wir sprechen mit Spielern. Das ist in der Tat eine überraschende Neuigkeit", sagte der Vorstandschef Jan-Christian Dreesen auf die Frage nach dem Stand der Verhandlungen mit dem Spieler der bislang 247 Tore in insgesamt 742 Pflichtspielen erzielt hat und am Ende seiner Laufbahn eine der hellsten strahlenden Ikonen der bisher 125-jährigen Vereinsgeschichte sein wird.

Müller gewann mit den Bayern zweimal die Champions League, zwölfmal die Meisterschaft und sechsmal den DFB-Pokal. Er wechselte nie den Verein und war im In- und Ausland das Gesicht des FC Bayern München und somit international auch in großen Teilen das Gesicht des deutschen Fußballs. Und mit diesen Gesichtern eines Vereins muss man anders umgehen, als der FC Bayern München es in diesen Tagen mit Thomas Müller tut. Der Rekordmeister hat die Kommunikation des Abschieds komplett aus den eigenen Händen gegeben. Das ist unwürdig.

Was der FC Bayern von Borussia Dortmund lernen kann

Dass es anders geht, zeigte ausgerechnet Bayerns großer Rivale des vergangenen Jahrzehnts, Borussia Dortmund. Auch dort war lange über das Ende der Legende Marco Reus spekuliert worden, doch es waren Gerüchte, keine sich ultimativ festlegenden Berichte. All das gab Reus die Möglichkeit, auf seine Art 'Auf Wiedersehen' zu sagen und den Verein zugleich hinter großen Zielen zu vereinen.

Da stand Reus Anfang Mai nämlich nun vor der Südtribüne. Die Mundlöcher des Blocks 13, des lautesten Blocks dieses ohnehin schon lauten Stadions hinter sich, und sprach über das nahende Ende. "Wie soll ich anfangen", sagte Reus: "Liebe BVB-Fans, zwölf Jahre durfte ich in diesem wunderschönen Stadion spielen. Mein halbes Leben habe ich diesem Klub gewidmet. Ich habe eine Menge Höhen und Tiefen erlebt, aber mehr Höhen, meiner Meinung nach. Der Klub und ich sind zu dem Entschluss gekommen, den Vertrag nicht zu verlängern."

Damit waren die Worte ausgesprochen, die jeder erwartet hatte, die ebenso unabwendbar wie notwendig waren. Die Zeit von Marco Reus in Dortmund war zu einem natürlichen Ende gekommen. Noch standen einige Wochen an. Der Klub hatte große Ziele. Träumte nach einem überraschenden Erfolg im Hinspiel des Halbfinals der Champions League gegen Paris Saint-Germain vom Einzug ins Finale in Wembley. Allen klar, dass sie alles ausblenden mussten, um den maximalen Erfolg zu erzielen.

Die sich anschließenden Wochen waren in einem Maße kitschig, dass sie dazu geeignet erschienen, mit den Tränen der Anhängerschaft den Phoenix-See auf dem alten Hoesch-Gelände in Dortmund-Hörde erneut komplett zu fluten. Im Rückspiel in Paris wurde Reus eins mit den mitgereisten Fans, in seinem letzten Spiel im Westfalenstadion zirkelte er einen letzten Freistoß in das Tor und in ewig langen Videos verabschiedeten sich alte Mitspieler von ihm, der vollkommen überwältigt inmitten dieser Vergangenheitsinstallation saß. Nur in Wembley gegen Real Madrid ereilte ihn das, was einen Dortmunder in entscheidenden Spielen so oft ereilt: eine Niederlage.

Für den Traum vom Finale Dahoam muss alles passen

Reus und der BVB hatten in der Art und Weise, in der sie den Abschied inszeniert hatten, eine mit eigenen Inhalten zu füllende Schablone für kommende Abschiede großer Spieler produziert. All das war sehr weit entfernt von Raketentechnik, sondern folgte nur den allgemeinen Regeln des Anstands und Respekts für die fortwährende Geschichtsschreibung eines einzelnen Spielers. All das hatte dazu beigetragen, dass der BVB es bis nach Wembley schaffe. Die Dynamik des Fußballs ist nie zu unterschätzen.

Die Dynamik des Fußballs spricht dieser Tage gegen den FC Bayern München. Ihnen droht die Saison in den entscheidenden Wochen zu entgleiten. Dabei wollen alle im Verein so sehr Rache nehmen für das verlorene Finale Dahoam im Jahre 2012. Die Gelegenheit des Jahrzehnts bietet sich dafür in diesem Sommer. Dafür aber muss alles zusammenpassen. Angefangen bei der Kommunikation. Der FC Bayern muss jetzt schnell vor die Welle kommen. Thomas Müller hat das verdient. Die Fans haben das auch verdient.

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