Noch am Samstagabend schien es, als würden sie beim RB Leipzig Ruhe bewahren – und zumindest das Halbfinalspiel am Mittwoch im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart abwarten (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Doch in der Nacht zum Sonntag entschieden sich die Verantwortlichen des Bundesligisten dann doch anders: Marco Rose ist nicht mehr länger Trainer von RB Leipzig.
Nach dem 0:1 bei Borussia Mönchengladbach, dem siebten Spiel in Folge, das auswärts nicht gewonnen wurde, muss der 48 Jahre alte Rose vorzeitig gehen. Das Aus des Trainers, der Anfang September 2022 seinen Job bei den Sachsen begonnen hatte, deutete sich in den vergangenen Wochen bereits an. Durch die Niederlage war RB, das die Qualifikation für die Champions League anstrebt, auf Platz sechs abgerutscht.
„Wir haben sehr lange an die Konstellation mit Marco und seinem Team geglaubt und bis zuletzt alles versucht, gemeinsam die Trendwende zu schaffen. Angesichts der Entwicklung und der ausbleibenden Ergebnisse sind wir allerdings fest davon überzeugt, dass wir für die verbleibenden Spiele einen neuen Impuls benötigen, um unsere Saisonziele zu erreichen“, sagte Sportchef Marcel Schäfer.
Klub stellt auch Roses Vertraute frei
Bis zum Saisonende soll nun Zsolt Löw nach Information der „Bild“ die Mannschaft betreuen. Der 45-Jährige hatte in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Vereinen als Co-Trainer fungiert. Beim FC Bayern, Paris St. Germain und dem FC Chelsea unter Thomas Tuchel. Bei RB Leipzig war er von 2015 bis 2018 Assistenztrainer, erst unter Ralf Rangnick, dann unter Ralph Hasenhüttl.
Ende Januar 2025 war verkündet worden, dass Löw Jürgen Klopp im Red Bull Kosmos in der Rolle des „Head of Global Soccer“ unterstützt. Klopp hatte seinen Job zu Beginn des Jahres angetreten.
Am frühen Samstagabend, also unmittelbar nach der Niederlage, hatte Marcel Schäfer noch Folgendes gesagt: „Wir reden immer von wir. Und wir haben am Mittwoch ein großes Spiel mit einem großen Ziel vor der Brust, dem Einzug ins Pokalfinale. Wir sind enttäuscht, weil wir nicht die Punkte holen. Wir sind schlampig mit unseren Möglichkeiten umgegangen. Das ist deutlich zu wenig.“ Und dürfte in den Stunden danach dann wohl auch für ein Umdenken gesorgt haben.
Die Leipziger stellten neben Rose am Sonntag auch dessen Co-Trainer Alexander Zickler, Marco Kurth und Frank Geideck sowie Frank Aehlig (Leiter Lizenzspieler) mit sofortiger Wirkung frei.
Seit November hielt die Kritik an
Mit Zsol Löw soll nun die Trendwende geschafft werden. Eine langfristige Lösung zu finden, wird die deutlich schwierigere Aufgabe. Sebastian Hoeneß galt als bevorzugte Variante, doch der entschied sich für eine Vertragsverlängerung und einen Verbleib in Stuttgart. Oft wurde der Name Roger Schmidt gespielt. Der im RB-Kosmos nicht unbekannte Coach stünde nach eigenen Worten zwar nicht unter der Saison, dafür aber ab Sommer zur Verfügung.
Mit einem Pokalsieg und einem Schnitt von 1,86 Punkten in 125 Spielen war Rose einer der erfolgreichsten Leipziger Trainer. Eine bessere Punktebilanz in der Bundesliga-Zeit des Vereins hatten nur Domenico Tedesco, Julian Nagelsmann und Ralf Rangnick vorzuweisen.
„Wir haben die Chance, die Dinger besser zu machen“, sagte Rose noch am Samstag
Rose besaß noch einen Vertrag bis Sommer 2026. Nach Jesse Marsch und Domenico Tedesco ist er der dritte Trainer nacheinander, von dem sich Leipzig vorzeitig trennt. Zuvor war Nagelsmann von Bayern München abgeworben worden. Bereits Ende des vergangenen Jahres, als man im November kein einziges Spiel gewann und 1:5 gegen den VfL Wolfsburg verlor, stand Rose vor dem Aus. Damals setzte sich dem Vernehmen nach der neue globale Fußballchef Klopp für seinen früheren Spieler ein.
Rose rettete sich immer wieder, hatte als gebürtiger Leipziger so etwas wie einen Identifikationskredit. Ende Februar hielt er sich mit dem Einzug ins Pokal-Halbfinale im Job, Mitte März mit dem Sieg gegen Dortmund. Nach letzterem saßen Klopp und Co. sogar persönlich am Cottaweg zusammen und schmiedeten Zukunftspläne. Die mag Leipzig immer noch umsetzen, jedoch ohne Rose.
Im Anschluss an das Spiel in Mönchengladbach hatte Marco Rose gesagt, dass er auch Dinge gesehen habe, „die in Ordnung waren. Das war ein anständiges Auswärtsspiel von uns. Aber am Ende zählen halt Tore“. Da ahnte der Coach offenbar nicht, dass er am Tag darauf seinen Job verlieren wird. Denn Rose sagte da auch: „Wir nehmen den Endspurt so, wie er ist. Wir schauen nicht mehr rechts oder links. Wir haben die Chance, die Dinge besser zu machen.“
Die Spieler haben diese Chance nun, aber ohne Marco Rose.
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