Am Freitag ist Bayer 04 plötzlich nur noch drei Punkte hinter dem FC Bayern. Am heutigen Samstag stemmt der FC Bayern sich gegen einen offenen Meisterkampf. Das gelingt vorerst, weil Sané doppelt trifft. Aber erneut verletzt sich ein Verteidiger. In Gladbach wird ab sofort auch von der Königsklasse geträumt, in Heidenheim wieder vom Klassenerhalt. Der rückt für Holstein Kiel ein wenig in die Ferne. Hoffenheim bekommt einen umstrittenen Elfmeter und holt Luft.

FC Bayern München - FC St. Pauli 3:2 (1:1)

Die Erleichterung bei Vincent Kompany und seinen Spielern war spürbar, doch ungetrübte Freude kam beim FC Bayern nicht auf. Das mühsame 3:2 (1:1) gegen den frechen Aufsteiger FC St. Pauli wurde womöglich teuer erkauft, die Personalprobleme in der Abwehr könnten noch größer werden. Der eingewechselte Hiroki Ito humpelte kurz vor dem Ende wieder vom Platz. Diagnose offen. "Wir hoffen, dass es nicht so schlimm ist", sagte Sportdirektor Christoph Freund.

Zuvor trotzte der deutsche Fußball-Rekordmeister seiner Verletzungsmisere erfolgreich. Dank Doppelpacker Leroy Sané liegen die Münchner wieder sechs Zähler vor Titelverteidiger Bayer Leverkusen. "Das waren sehr wichtige drei Punkte", sagte Freund bei Sky: "In der zweiten Halbzeit haben wir uns gesteigert. Zum Schluss haben wir es unnötig spannend gemacht."

Nach den Toren von Harry Kane (17.) und Sané (53./71.) verkürzte Lars Ritzka spät (90.+3). Elias Saad (27.) ließ die Hamburger zwischenzeitlich auf den ersten Punktgewinn beim FC Bayern seit 1996 hoffen. "Wir müssen auf uns schauen und es jetzt durchziehen", forderte Freund und lobte Matchwinner Sané: "Leroy hat gezeigt, was er für die Mannschaften leisten kann und wie wichtig er ist."

Die Ausfälle von Kapitän Manuel Neuer, Dayot Upamecano, Alphonso Davies, Aleksandar Pavlovic und kurzfristig noch Kingsley Coman (Fußreizung) änderten nichts Grundlegendes an der Münchner Spielidee. Sechser Joshua Kimmich ließ sich meist fallen, um mit den beiden Innenverteidigern aufzubauen, die letzte Linie stand gewohnt hoch. Das sorgte für Dominanz, gab Pauli nach Balleroberungen aber auch die Gelegenheit zu Gegenstößen. Aus einer dieser Situationen entstand der Freistoß, den Kimmich ungewollt ans eigene Aluminium lenkte. Die Gäste bekamen immer dann Probleme, wenn die Bayern schnell kombinierten wie Musiala und Vorlagengeber Michael Olise vor dem 1:0. Kane hatte beim Abschluss keine Mühe. Erhat jetzt gegen alle seine 19 Bundesliga-Gegner getroffen.

Doch der deutsche Rekordmeister blieb wie zuletzt gegen Bochum (2:3) oder Berlin (1:1), gegen die er auch schon eine Führung verspielt hatte, sehr anfällig. Nach einer vertanen Chance von Davies-Ersatz Raphael Guerreiro (21.) schlug St. Pauli zurück: Manolis Saliakas konnte ungestört von Guerreiro flanken, im Zentrum ließ Upamecano-Vertreter Eric Dier den Torschützen Saad alleine.

Nach starkem Zuspiel von Musiala verhinderte Siebe van der Heyden gegen Sané (34.) vor der Torlinie den erneuten Rückstand. Doch die Gäste waren bis zur Pause in der Offensive sogar zielstrebiger als der klare Favorit. Mit João Palhinha statt Goretzka wollte Trainer Vincent Kompany mit Wiederbeginn den Defensivverbund stabilisieren. Der zuletzt rotgesperrte Portugiese holte sich nach wenigen Minuten Gelb ab.

Doch die Bayern erkannten den Ernst der Lage. Ein langer Ball von Neuer-Ersatz Jonas Urbig und die gedankenschnelle Weiterleitung von Olise brachte gegen aufgerückte Gäste das 2:1. Die Hausherren blieben dran, ihre Strafraumbesetzung ließ allerdings weiter zu wünschen übrig. Neuner Kane rieb sich oft im Mittelfeld auf, war aber als Assistent beim zweiten Sané-Treffer zur Stelle. Sané, der immer noch um einen neuen Vertrag spielt, überzeugte nicht nur aufgrund seiner beiden Tore. Die Münchner beendet die Begegnung in Unterzahl. Nach fünf Wechseln musste Hiroki Ito kurz vor dem Ende mit einer Verletzung am rechten Fuß runter. Aber die Kiezkicker kamen nur noch zum Anschlusstreffer, für den Ausgleich blieb zu wenig Zeit.

Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig 1:0 (0:0)

Borussia Mönchengladbach hat die Negativserie im heimischen Stadion beendet und träumt immer mehr von der Teilnahme an der Champions League. Nach drei sieglosen Ligaspielen in Serie im Borussia-Park gewann die Mannschaft von Trainer Gerardo Seoane 1:0 (0:0) gegen RB Leipzig. Damit zogen die Gladbacher in der Tabelle an den Gästen vorbei und sind zumindest vorübergehend Fünfter. Alassane Pléa (56.) erzielte in Abwesenheit des gesperrten Nationalspielers Tim Kleindienst den Treffer des Tages für das Heimteam. Leipzig setzte dagegen die eigene Auswärtsmisere mit dem siebten sieglosen Spiel in Serie in der Fremde fort. Zudem verpatzten die Gäste ihre Generalprobe für das Halbfinale im DFB-Pokal am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky und im Liveticker auf ntv.de) beim VfB Stuttgart.

Bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte musste Leipzigs Trainer Marco Rose kurzfristig einen Wechsel im Tor vollziehen. Weil Stammkeeper Peter Gulacsi mit einem Infekt fehlte, kam der Belgier Maarten Vandevoordt zu seinem dritten Bundesliga-Einsatz. Auf der Gegenseite feierte das Talent Tiago Pereira Cardoso seine Premiere vor den eigenen Fans, auch für den 18-Jährigen war es das erst dritte Ligaspiel. Zudem stand der zuletzt verletzt fehlende Flügelspieler Franck Honorat erstmals im Jahr 2025 in der Startelf.

Während die Gladbacher von Anfang an offensiv und mutig agierten, kämpften die Gäste noch mit einigen Startschwierigkeiten - was auch an der Stimmung im Stadion lag. Aus Protest gegen den Gegner sorgten die Heimfans in den ersten zwanzig Minuten bei jedem Leipziger Ballbesitz mit Trillerpfeifen für einen ohrenbetäubenden Lärm, als Konsequenz leistete sich das Rose-Team viele kleinere Fehler. In der Folge ging auch die erste bessere Möglichkeit an Gladbach. Nach einer Flanke von Honorat traf Kleindienst-Ersatz Tomas Cvancara in guter Position den Ball mit seinem Kopf aber nicht richtig (13.).

Leipzig wurde nun besser, das Spiel ging schnell von einem Strafraum zum anderen - gute Chancen blieben dabei aber Mangelware. Während den Gladbachern die Abwesenheit von Kleindienst deutlich anzumerken war, fehlte den Gästen im gegnerischen Strafraum die Durchschlagskraft. Und so zählte ein schwacher Abschluss von Robin Hack noch zu den nennenswerten Torraumszenen der ersten Halbzeit (21.). Dieses Bild änderte sich mit Beginn des zweiten Durchgangs schlagartig. Leipzig startete brandgefährlich, ein Schuss von Christoph Baumgartner flog nur knapp über das Tor (46.). Doch auch die Gladbacher blieben aktiv - und belohnten sich mit dem Führungstreffer. Einen Schuss von Ko Itakura wehrte Vandevoordt nach vorne ab, Pléa verwertete den Abpraller mit dem Kopf. Kurz darauf verpasste der Franzose das 2:0, sein Schuss klatschte an den Pfosten (62.) - ebenso wie in der Schlussphase (80.).

Holstein Kiel - Werder Bremen 0:3 (0:1)

Holstein Kiel stolpert dem Abstieg entgegen: Die Störche haben am Samstag im Kampf um den Klassenerhalt die nächste bittere Pleite kassiert. Im Nordduell gegen Werder Bremen hatte die Mannschaft von Marcel Rapp beim 0:3 (0:1) kaum eine Chance, ausgerechnet Marvin Ducksch (25.) ließ die mitgereisten Werder-Fans an der Waterkant gegen seinen ehemaligen Verein jubeln. Zudem trafen noch Felix Agu (59.) und Marco Grüll (90.+3) für die Gäste. Anstatt den Endspurt im Kampf um den Klassenerhalt einzuläuten und die Niederlage vom VfL Bochum auszunutzen, blieb Kiel blass.

Die Hoffnungen des Tabellenletzten auf das nächste Fußball-Wunder nach dem Aufstieg vor einem Jahr schwinden damit immer mehr, mit einer Bilanz von nur 17 Punkten nach 27 Spielen blieb noch nie ein Team am Ende der Saison in der Bundesliga. Werder-Trainer Ole Werner durfte sich in seiner alten Heimat über einen Prestigesieg freuen, die Hanseaten liegen im gesicherten Tabellenmittelfeld. "Jeder weiß um die Situation. Jeder weiß: Jetzt gilt es, jetzt zählt es noch mehr", hatte Rapp vor der Partie gesagt und nahm im Vergleich zum 1:3 zuletzt in Heidenheim gleich vier Änderungen in seiner Startelf vor. Doch das Tempo gaben dann erst einmal die Gäste vor, Ducksch hatte schon nach fünf Minuten die erste dicke Chance. Für die Hausherren ging aus dem Spiel heraus herzlich wenig.

Kiel biss, ackerte und rannte vor 15.034 Zuschauern viel - die Offensive blieb aber über weite Strecken harmlos. Auf der anderen Seite erhöhte Werder weiter den Druck, für den Führungstreffer musste aber eine Standardsituation her - Ducksch traf per direktem Freistoß traumhaft aus spitzem Winkel, der Ball sprang vom Innenpfosten ins Tor. Danach verzichtete der Angreifer aus Verbundenheit mit seinem alten Verein auf einen ausgelassenen Jubel. Rapp reagierte auf die bis dahin schwache Vorstellung seiner Mannschaft mit einem Dreierwechsel, unter anderem kamen Lewis Holtby und Timo Becker. Und tatsächlich kamen die Kieler danach etwas gefälliger vor das Bremer Tor.

Zu echten, zwingenden Chancen kamen die Hausherren aber dennoch nicht. Obwohl Bremen im Laufe des Spiels immer mehr in den Verwaltungsmodus schaltete, erhöhte Agu mit einem sehenswerten Treffer aus der Distanz und machte alles klar für Werder.

TSG Hoffenheim - FC Augsburg 1:1 (0:0)

Der FC Augsburg hat seine Erfolgsserie fortgesetzt, musste aber dennoch einen Rückschlag im Kampf um die Europacup-Teilnahme hinnehmen. Die Fuggerstädter kamen am 27. Spieltag der Fußball-Bundesliga trotz Führung nicht über ein 1:1 (0:0) bei der abstiegsbedrohten TSG Hoffenheim hinaus. Der FCA, der am Freitag auf Rekordmeister Bayern München trifft, ist seit mittlerweile elf Partien in Folge ohne Niederlage und hat damit seinen Vereinsrekord ausgebaut.

Joker Samuel Essende (46.) traf für die Augsburger, die mittlerweile 39 Punkte auf dem Konto haben. Die Kraichgauer (27 Zähler) warten seit nunmehr zehn Pflichtspielen auf einen Heimsieg. Andrej Kramaric beendete per umstrittenem Handelfmeter (71.) die Serie von FCA-Keeper Finn Dahmen, der nach 683 Minuten ohne Gegentor wieder hinter sich greifen musste.

"Wir müssen Vollgas geben, um Punkte zu holen", sagte FCA-Trainer Jess Thorup kurz vor dem Anpfiff bei Sky. TSG-Coach Christian Ilzer sprach im Vorfeld der Partie von "sehr bedeutenden" Wochen: "Wir haben acht Endspiele vor uns." Vor 21.427 Zuschauern in der Sinsheimer Arena bestimmten die Hoffenheimer die Anfangsphase. Die Gastgeber, die ohne Ihlas Bebou, Adam Hlozek, Ozan Kabak, Max Moerstedt, Alexander Prass, Grischa Prömel und Diadié Samassékou auskommen mussten, konnten sich trotz ihres großen Aufwands aber keine Chancen gegen die zuletzt bärenstarke Augsburger Abwehr erarbeiten.

Erst in der 18. Minute sorgte Marius Bülter an seinem 32. Geburtstag per Kopf für einen Hauch von Gefahr. Sieben Minuten später landete ein Kopfball von TSG-Offensivspieler Bazoumana Touré aus kurzer Distanz am Pfosten. Von Augsburg kam auch nach einer halben Stunde so gut wie nichts im Spiel nach vorne. Selbst mehrere Freistöße in der gegnerischen Hälfte blieben wirkungslos.

Das änderte sich umgehend zu Beginn des zweiten Durchgangs. 16 Sekunden war der eingewechselte Essende auf dem Platz, da erzielte der Nationalspieler des Kongo sein sechstes Saisontor. Der Treffer verlieh den Augsburgers zusätzliches Selbstvertrauen. Die Hoffenheimer, bei denen der künftige Bayern-Profi Tom Bischof sein 50. Bundesliga-Spiel absolvierte, waren spürbar geschockt.

Kramaric brachte die TSG vom Punkt zurück ins Spiel. Der von Schiedsrichter Tobias Reichel (Sindelfingen) verhängte Strafstoß war allerdings äußerst umstritten. Jeffrey Gouweleeuw bekam den Ball aus kurzer Distanz an den Arm geschossen. Einen weiteren Strafstoß zugunsten der Hoffenheimer nahm Reichel kurz vor Schluss zurecht zurück (85.).

VfL Wolfsburg - 1. FC Heidenheim 0:1 (0:1)


Der 1. FC Heidenheim hat in der Fußball-Bundesliga einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht und die direkten Abstiegsränge verlassen. Mit dem 1:0 (1:0) beim VfL Wolfsburg feierte Frank Schmidt bei seinem 700. Pflichtspiel als FCH-Trainer den zweiten Sieg in Serie - und sprang mit seinem Team in der Tabelle am VfL Bochum vorbei auf den Relegationsplatz 16. Marvin Pieringer erzielte per Foulelfmeter (16.) den entscheidenden Treffer für den FCH, der aus den letzten drei Spielen nun starke sieben Punkte geholt hat. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt nur noch drei Zähler, die kommenden Gegner (Leverkusen, Frankfurt, Bayern und Stuttgart) haben es allerdings in sich. Die Wölfe und Trainer Ralph Hasenhüttl dagegen verlieren nach drei Spielen ohne Sieg immer mehr den Anschluss an die Europapokalplätze.

Schmidt vertraute bei seinem 60. Bundesliga-Spiel an der Seitenlinie seiner Mannschaft vom 3:1 gegen Holstein Kiel vor der Länderspielpause, lediglich der Ex-Wolfsburger Tim Siersleben rückte für den gelb-gesperrten Omar Traoré in die Startformation. "Wir spielen auf Sieg und haben große Chancen zu gewinnen", gab sich der Jubilar vor dem Spiel bei Sky selbstbewusst.

Nach einer zähen Anfangsphase musste Schmidt erst bangen - und konnte dann jubeln: Pieringer blieb nach einem Kopf-an-Kopf-Treffer mit Sebastiaan Bornauw liegen, seine Platzwunde über dem rechten Auge musste auf dem Platz genäht werden. Mit seinem ersten Ballkontakt nach der Behandlung dribbelte der Heidenheimer Stürmer in den Sechzehner, holte gegen Joakim Maehle den Elfmeter raus - und verwandelte sicher. VfL-Keeper Kamil Grabara hatte zwar die Ecke geahnt, kam aber nicht mehr entscheidend ran.

Die Wölfe, die auf Topscorer Mohamed Amoura (Gelbsperre) verzichten mussten und bei denen Torjäger Jonas Wind zunächst nur auf der Bank saß, taten sich gegen die kompakt stehenden Gäste extrem schwer. Hasenhüttl musste früh reagieren, für den angeschlagenen Konstantinos Koulierakis kam Denis Vavro (26.). Kapitän Maximilian Arnold setzte einen Freistoß ans Außennetz (34.), mehr gab es offensiv im ersten Durchgang (von beiden Teams) nicht zu sehen. Wind ersetzte zur Pause den schwachen Tiago Tomás, doch auch der Däne konnte keine Impulse setzen. Grabara verhinderte mit starken Paraden gegen Adrian Beck (48.) und Budu Siwsiwadse (56.) einen höheren Rückstand, so blieb es spannend. FCH-Keeper Kevin Müller musste in der 77. Minute beim Schuss von Lukas Nmecha zum ersten Mal so wirklich eingreifen.

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