Wer glaubt, dass es in den verbleibenden acht Liga-Spielen für den BVB um nichts mehr geht, sieht sich getäuscht. Das Gegenteil ist der Fall. Zum einen will es der Tabellen-Elfte zumindest noch in die Europa League schaffen, zum anderen brauchen mehrere Verantwortliche unbedingt Erfolge, um ihre Jobs zu retten. Während rund um den Verein immer wieder der Name von Ralf Rangnick (66) auftaucht …

Die wichtigsten Antworten auf die drängendsten Fragen:

Der BVB und Ralf Rangnick – was ist da dran?

Bereits im vergangenen Januar besuchten Klub-Boss Hans-Joachim Watzke (65) und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken (48) den Nationaltrainer Österreichs in Salzburg. In dem Gespräch ging es vor allem um zwei Spieler, die auf dem Wunschzettel des BVB stehen und die Rangnick bestens kennt. Die BVB-Chefs baten ihn um seine Einschätzung. Zudem nutzten sie die Gelegenheit, sich über Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer (31) auszutauschen.

Derzeit stehen beide Parteien nicht in direktem Kontakt. Aber: Es ist nicht ausgeschlossen, dass er für den Sommer schnell ein Thema werden kann. So sollen bereits Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet worden sein.

Rangnick ist in seiner Funktion als österreichischer Teamchef längst nicht mehr zufrieden. Die „Wiener Zeitung“ berichtet darüber, dass er im vergangenen Herbst den Gedanken gehabt haben soll, vorzeitig hinzuschmeißen, da sein Verhältnis zu den Funktionären extrem angespannt sei. Dazu passt die Aussage des Verbandspräsidenten Wolfgang Bartosch (67), der über eine Vertragsverlängerung mit Rangnick (Vertrag bis Sommer 2026) sagte: „Wir sind übereingekommen, dass das derzeit kein Thema ist.“

Aus dem Rangnick-Umfeld ist zu hören, dass er sich einen Wechsel nach Dortmund durchaus vorstellen könne. Beim BVB setzt sich zunehmend die Meinung durch, dass es ohne personelle Veränderungen im Sommer kaum weitergehen könne. Rangnick wird bei den Dortmunder Verantwortlichen für seine Kompetenz geschätzt, einen Kader zusammenstellen zu können. Dass er, ähnlich wie bei RB Leipzig, in einer Art Doppel-Funktion als Trainer und Manager bei der Borussia arbeiten würde, ist aber unwahrscheinlich. Realistischer: Rangnick übernimmt als Sportdirektor.

Muss Sebastian Kehl gehen, wenn ein Neuer kommt?

Das ist sehr wahrscheinlich. Der sportliche Misserfolg wird größtenteils auch Sportdirektor Sebastian Kehl (45) angelastet. Hinzu kommt: Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Kaderplaner Sven Mislintat (52) war desaströs. Was auch damit zu tun hat, dass Mislintat schon wenige Tage nach seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr intern gesagt haben soll: er oder ich!

Kehl wurde unter anderem die Scouting-Abteilung entzogen, um die sich Mislintat kümmerte. Doch selbst nach dessen Aus im Februar gab es keinerlei Überlegung, Kehl diese wichtige Aufgabe wieder zu übertragen. Stattdessen bekam Scout Bastian Schulz (39) mehr Verantwortung. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass im Sommer in dem Bereich personell nachgebessert wird, etwa in Person eines neuen Technischen Direktors.

Wie geht es mit Trainer Niko Kovac weiter?

Der Plan der Bosse ist unmissverständlich: Sie würden gerne mit Trainer Niko Kovac (53/Vertrag bis 2026) in die neue Saison gehen. Das machte Ricken in der vergangenen Woche in der Aufsichtsratssitzung deutlich. Er warb für Geduld und betonte, dass Kovac bereits viele Dinge verändert habe. Dass die Mannschaft nun deutlich weniger Chancen zulasse und sich selbst deutlich mehr Torgelegenheiten erspiele.

Doch allen Teilnehmern dieser Sitzung ist ebenso klar: Verbessern sich die Ergebnisse in der Liga – nur zwei Siege in sechs Spielen – nicht maßgeblich, wird es kaum zu vertreten sein, an Kovac festzuhalten. Für diesen Fall gibt es in der Chef-Etage eine Strategie: Sollte es zu einem Trainerwechsel kommen, dann direkt nach der Bundesliga-Saison. Kovac würde die Mannschaft nicht mehr bei der Klub-WM in den USA (14. Juni bis 13. Juli) betreuen.

Muss auch Lars Ricken um seinen Job zittern?

Aus dem Verein ist meist zu hören, dass Ricken im vergangenen Jahr viele Probleme geerbt habe und seine Entscheidungen Zeit benötigen, um wirklich sichtbar zu werden. Und diese trifft der Ex-Profi mittlerweile rigoros. Das Aus von Ex-Trainer Nuri Sahin (36) und Mislintat beschloss Ricken in Eigenregie. Ein weiteres Beispiel unterstreicht sein Durchgreifen: Ein Scout kokettierte zuletzt mit einem Wechsel zu einem anderen Top-Klub. Im Verein sprach sich das herum. Als Ricken davon erfuhr, reagierte er sofort – und feuerte den Mitarbeiter umgehend. Mit der Begründung: Wer gedanklich nicht zu hundert Prozent bei Borussia Dortmund ist, braucht hier nicht zu arbeiten.

Macht Hans-Joachim Watzke doch weiter als Klub-Boss?

Die Aussage des Vorsitzenden der Geschäftsführung im vergangenen Februar ließ eigentlich keinen Interpretationsspielraum. „Einen Rücktritt vom Rücktritt schließe ich total und komplett aus“, sagte Watzke. Laut „Sport Bild“ ist es für Watzke zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen, seine Amtszeit zu verlängern.

Dafür müsste er aus dem Verein jedoch das klare Signal erhalten, dass sein Abgang in der jetzigen Situation fatal wäre. Sollte der Präsidialausschuss, der über die Besetzung der Geschäftsführung entscheidet, auf ihn zukommen und die Bitte äußern, dass er weitermacht, wäre Watzke zumindest gesprächsbereit.

Für den Sauerländer ist der BVB sein Lebenswerk. Seit 2005 ist er der unangefochtene Boss. In der Zeit entwickelte Watzke den kriselnden, hoch verschuldeten Klub zu einem Weltverein, der in der vergangenen Saison im Champions-League-Finale stand. Für Vertraute von Watzke ist es nur schwer vorstellbar, dass er Borussia Dortmund aus dieser schwierigen Phase nicht selbst herausmanövrieren würde.

Dazu passt: Nach der Saison wird es eine General-Analyse geben, in der auch über die personelle Besetzung der Chef-Etage und den Trainer-Job entschieden werden soll. Diese wird unter der Leitung von Watzke stattfinden, der in dieser Saison nur noch selten bei den Bosse-Gipfeln anwesend war.

Was passiert mit Matthias Sammer?

Der Vertrag von Berater Matthias Sammer (57) ist an den Kontrakt von Watzke gekoppelt – und dementsprechend bis zum Ende dieses Jahres gültig. Ob die Geschäftsführung auch weiterhin auf seine Expertise setzen wird, soll bei der General-Analyse im Mai entschieden werden.

In den vergangenen Monaten änderte sich die Rolle von Sammer bereits ein wenig. Als ehemaliger Sportvorstand des FC Bayern ist er für Ricken ein Ansprechpartner dafür, wie er seine Chef-Aufgabe richtig ausfüllen kann. Es geht also längst nicht mehr nur um sportliche Aspekte. Aber: Aus dem Verein ist zu hören, dass Ricken plane, weiterhin ungemütliche Entscheidungen treffen zu wollen. Ein Aus von Sammer ist keinesfalls ausgeschlossen. Zumal Ricken ihm bereits verboten hat, als TV-Experte bei BVB-Spielen tätig zu sein. Zudem plädiert Ricken dafür, Entscheidungen zukünftig schneller und unkomplizierter treffen zu können. Auch deshalb hat er die „Elefantenrunde“ abgeschafft, bei der die gesamte sportliche Leitung über die Kader-Pläne diskutierte.

Wie beurteilen die Bosse die aktuelle Mannschaft?

Kovac ist, trotz seiner ungewissen Zukunft in Dortmund, vollständig in die Kader-Planungen eingebunden, nimmt an fast allen Scouting-Sitzungen teil. Intern hat der Kroate bereits verlauten lassen, dass ihn zwei Dinge am aktuellen Kader stören.

Erstens: Dass viele Spieler zu satt seien und Schwierigkeiten hätten, sich für Bundesliga-Spiele gegen vermeintlich kleinere Gegner zu motivieren. Dazu sollen unter anderem Niklas Süle (29), Julian Brandt (28) und Sabitzer gehören. Vor dem Spiel in Bochum klagten einige Spieler hinter vorgehaltener Hand, dass das Training ohne Feuer, ohne Leidenschaft abgelaufen sei. Und dass es schwierig werde, beim Revier-Nachbarn zu gewinnen. Der BVB verlor 0:2.

Zweitens: Dass der Kader auf einigen Positionen zu dünn besetzt sei. Vor allem im Sturm, wo Serhou Guirassy (29) der einzige gelernte Stoß-Stürmer ist. Und im offensiven Mittelfeld, wo kaum eine Alternative zu Brandt existiert. Mit Giovanni Reyna (22) gibt es zwar einen weiteren Spieler für diese Position, doch seit Monaten soll sich der US-Nationalspieler in einem schlechten Zustand befinden und somit kaum für sich werben können.

So ist es kein Wunder, dass Kovac im Zuge seines Dienstantritts Ende Januar alles versuchte, um Rayan Cherki (21) von Olympique Lyon verpflichten zu können. Er sprach mit dem Spieler selbst, überzeugte ihn vom Projekt. Doch Lyons Präsident John Textor (59) verhinderte den Transfer am Ende.

Was passiert mit den Spielern, die gehen sollen?

Deutlich mehr als 20 Millionen Euro Jahresgehalt kassieren allein Süle, Brandt und Reyna zusammen. Geld, das den Kader-Umbruch im Sommer blockiert. Vor allem dann, wenn der BVB die Champions-League-Qualifikation verpassen sollte (derzeit zehn Punkte Rückstand). Dennoch lautet die Devise: Für die Bosse ist es ausgeschlossen, Spieler im Sommer einfach zu verschenken oder ihnen gar noch einen Teil ihres Restgehalts auszuzahlen. Der BVB will weiterhin als Top-Klub wahrgenommen werden, bei dem alle Spieler einen Wert haben. Interessenten gibt es für die Spieler derzeit jedoch noch keine.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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