Beim Abschiedsspiel von Diego kamen die über 40.000 Werder-Fans am vergangenen Samstag noch mal ins Schwärmen. Große Stars aus der großen Zeit – das fühlte sich ganz anders an als die Stimmung sonst im Frühling 2025. Nachdem der Klub im vergangenen Kalenderjahr saisonübergreifend starke 51 Punkte geholt hatte, hofften die Verantwortlichen in dieser Saison auf eine Rückkehr in den Europacup. Doch das ist nach nur zwei Siegen aus elf Spielen in diesem Jahr kaum mehr möglich.
Nicht das einzige Dilemma. Werder läuft Gefahr, Ole Werner trotz eines Vertrages bis 2026 vorzeitig zu verlieren. Laut „Sport Bild“ hat der Trainer eine Ausstiegsklausel. Demnach kann er für eine Ablöse im mittleren Millionen-Bereich nach dieser Spielzeit gehen.
In der Branche besitzt Werner einen guten Ruf. Seit November 2021 ist er in Bremen, führte den Klub nach dem Rauswurf von Vorgänger Markus Anfang von Platz zehn und mit acht Punkten Rückstand zu den Aufstiegsrängen aus der 2. direkt in die 1. Liga zurück. Er schaffte 2023 den sicheren Klassenerhalt und verpasste vergangene Serie nur wegen des schlechteren Tor-Verhältnisses die Europacup-Qualifikation.
Hinzu kommt Werners seriöses und loyales Auftreten. Darum steht er bei einigen Bundesligisten auf der Schattenliste für den Fall, dass sie einen neuen Coach suchen. Klar ist: Die Bremer wollen Werner nicht abgeben, auch wenn die Gespräche über einen neuen Kontrakt aktuell auf Eis liegen und die sportliche Krisen-Situation im Mittelpunkt steht – was auch der Wunsch des Trainers war.
„Ein Trainer, in dem noch sehr viel Potenzial steckt“
„Wir sind sehr überzeugt von ihm“, sagt Klaus Filbry, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Und Manager Clemens Fritz betont: „Ole Werner ist ein Trainer, in dem noch sehr viel Potenzial steckt. Dazu hat er Werder in den letzten fast dreieinhalb Jahren stetig weiterentwickelt.“
Doch diese Entwicklung stockt. Wofür es Gründe gibt – die aber aus Sicht der Verantwortlichen nicht beim Trainer liegen.
2025 konnte Werder in nur zwei aufeinanderfolgenden Spielen dieselbe Dreier-Abwehrkette aufbieten. Vor allem der Ausfall von Kapitän Marco Friedl, der fünf Spiele verpasste, schmerzte. Hinzu kamen Unsicherheiten bei Torwart Michael Zetterer, der in diesem Jahr in elf Ligaspielen 28 Tore schlucken musste – und fragwürdige Schiri-Entscheidungen. Nach dem Spiel gegen Mainz (1:0/zwei Platzverweise für Werder-Spieler) führte Fritz ein Gespräch mit DFB-Schiri-Boss Knut Kircher.
Auch die Grüppchenbildung ist Teil des Problems. Angefangen von der Österreich-Fraktion mit Friedl, Marco Grüll und Romano Schmid über die Gruppe der jungen Spieler mit Justin Njinmah bis hin zu den Platzhirschen Leonardo Bittencourt sowie Marvin Ducksch und Einzelgängern wie Mitchell Weiser.
Auch Ducksch könnte gehen
Darum wird es im Sommer die gewünschte Veränderung im Kader geben. Sogar Ducksch könnte davon betroffen sein. Der Stürmer geht nicht wie gewünscht als Anführer voran. Er ist zu negativ zu den Kollegen im Training oder im Spiel, wenn ihnen etwas nicht gelingt. Das kommt intern nicht gut an. Dazu ging seine Leistungskurve (sechs Tore, sieben Vorlagen) nach unten. Bei einem guten Angebot würde Werder den Angreifer (Marktwert neun Millionen Euro) trotz Vertrages bis 2026 abgeben.
Wie ernst es Werder mit dem Umbruch ist, machen die Fälle Milos Veljkovic und Anthony Jung deutlich, beide bekamen kein Angebot. Bremen sucht für die Innenverteidigung andere Spielertypen, die schnell sowie aggressiv sind und die Zweikämpfe suchen – um die Zahl der Gegentore (53/die zweitmeisten in der Liga) zu reduzieren.
Dazu droht der Verlust von Leistungsträgern wie Schmid, der einen Marktwert von 15 Mio. Euro hat, um Transfererlöse zu erzielen. Werder muss wirtschaftlich weiter kämpfen, der Lizenzspieler-Etat liegt bei rund 40 Millionen in dieser Saison. Ein geringeres Budget in der Liga haben nur Heidenheim, St. Pauli und Kiel.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.
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