Dieser Sieg kann für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ganz wichtig sein. Das 2:1 (0:1) am Donnerstagabend in Mailand war der erste Sieg der deutschen Auswahl in Italien seit 39 Jahren – und ob der zweiten Halbzeit verdient. Ein Erfolg im Hinspiel des Viertelfinals der Nations League, den sich die Mannschaft hat erarbeitet hat. Sie steigerte sich nach einem sehr durchwachsenen ersten Durchgang deutlich.
Nach einem frühen 0:1 im legendären Stadion San Siro die Partie zu drehen, ist alles andere als einfach – wenngleich Italien derzeit nicht der absolute Topgegner ist. Es war ein spezieller Sieg mit besonderen Geschichten, nach dem Deutschland nun große Chancen auf die nächste Runde in dem Wettbewerb hat. Solche Spiele zu gewinnen, ist eine neue deutsche Qualität. Vor der EM 2024 wäre dies der Mannschaft wohl kaum gelungen.
Den Einzug in das Halbfinale darf sich das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann jetzt nicht mehr nehmen lassen. Es zeigte gegen die Italiener Schwächen und Stärken, ist nun klar der Favorit auf das Weiterkommen. Dass rund 3.500 Fans aus Deutschland nach Mailand gereist waren belegt, wie viel stärker die EM 2024 in Deutschland und die bisherige Zeit unter Nagelsmann das Band zwischen Mannschaft und Anhang gemacht haben. Das Rückspiel gegen Italien steigt Sonntag (20.45 Uhr, RTL und im Liveticker bei WELT) in Dortmund.
Der Gewinner des Viertelfinales richtet im Juni das „Final Four“, das Halbfinale und Endspiel der Nations League aus. Es ist richtig und wichtig, dass Nagelsmann diesen möglichen Titel sehr ernst nimmt. Zudem hat das Abschneiden in der Nations League Auswirkungen auf die Weltrangliste. Die Platzierung in diesem Ranking kann wichtig werden für die Auslosung der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
Nicht jede Entscheidung Nagelsmanns im Hinblick auf die Startelf ging auf. Außenverteidiger David Raum von RB Leipzig überzeugte überhaupt nicht und stand vor dem Gegentor schlecht, Nagelsmann wechselte ihn zur Halbzeitpause aus. Jonathan Burkhardt v0m 1. FSV Mainz 05 im Sturm war bemüht, doch nicht gefährlich und effektiv. Für ihn kam Tim Kleindienst von Borussia Mönchengladbach in die Partie – und traf nach einer sehr guten Flanke des Kapitäns Joshua Kimmich vom FC Bayern sofort per Kopfball zum 1:1.
Es war der erste Ballkontakt des Angreifers. Nagelsmann wechselte den Ausgleich ein. Und tauschte zu Beginn der zweiten Halbzeit Raum gegen Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund. Es waren richtige und notwendige Korrekturen.
Ohne die verletzten Kreativspieler Florian Wirtz von Bayer Leverkusen und Kai Havertz vom FC Arsenal fehlten der deutschen Mannschaft zunächst zu oft die Ideen. Der Mainzer Nadiem Amiri war in seiner ersten Partie für Deutschland seit Jahren überhaupt nicht im Spiel, auch ihn wechselte Nagelsmann in der zweiten Halbzeit aus. Der Bundestrainer zog die richtigen Schlüsse und hatte bei seinen Wechseln den richtigen Instinkt.
Leon Goretzka und Oliver Baumann überzeugen
Leon Goretzka in seinem ersten Spiel für Deutschland seit 2023 von Beginn an spielen zu lassen hingegen erwies sich als total richtig. Der Mittelfeldprofi des FC Bayern überzeugte und traf per Kopf nach einem Eckball seines Kumpels Kimmichs zum 2:1. Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim im Tor aufzubieten, war ebenfalls richtig. Baumann parierte mehrfach und bewahrte seine Mannschaft vor weiteren Gegentoren.
In der ersten Halbzeit war vieles zu harmlos. Auch Bayerns Offensivstar Leroy Sané setzte nicht die erhofften Akzente. Gut ein Jahr vor der WM hat die deutsche Mannschaft noch einiges zu verbessern. Doch in Anbetracht der personellen Lage und der immensen Belastung der Nationalspieler in diesen Wochen der entscheidenden Saisonphase war es mindestens eine solide Leistung. Eine Leistung, die Nagelsmann Hoffnung machen darf. Und wichtige Erkenntnisse liefert.
Julien Wolff ist Sportredakteur bei WELT. Er berichtet vor allem über den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft und war beim Hinspiel gegen Italien im Mailänder Stadion San Siro.
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