Das übliche Gezeter blieb aus. Der gefoulte Bremer Issa Kaboré beschwerte sich nicht beim Schiedsrichter und auch Gladbachs Lukas Ulrich akzeptierte die Entscheidung von Timo Gerarch. Auch die Werder-Fans im Stadion regten sich nicht auf und forderten einen Elfmeter. Alles Indizien dafür, dass Gerarch bei der 2:4-Niederlage von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach kurz vor der Halbzeit mit seiner Entscheidung richtig lag.
Doch es gab einen Mann, der das offensichtlich anders sah. Sehr zur Verwunderung der Spieler und Zuschauer meldete sich Videoschiedsrichter Jan Seidel zu Wort. Im Stadion dachten alle, dass er sich wegen eines vermeintlichen Handspiels bemerkbar machte. Doch Seidel will nach mehrfacher Prüfung gesehen haben, dass Ulrich den Bremer Kaboré auf der Strafraumlinie geschubst und somit elfmeterwürdig gefoult hatte. Die TV-Bilder konnten es nicht eindeutig klären, ob das Foul auf der Linie oder außerhalb des Strafraums passierte. Doch der VAR überstimmte den Unparteiischen auf dem Platz, es gab Elfmeter für Werder, den André Silva zum 2:2 versenkte.
Wieder einmal griff der Videoschiedsrichter in einer Situation ein, bei der offensichtlich kein klarer Fehler des Schiedsrichters auf dem Rasen vorlag. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Hellmut Krug beobachtet die Entwicklung des VAR mit Sorge. Der Videobeweis hat sich seiner Meinung nach bei der Umsetzung zu sehr von seiner ursprünglichen Idee entfernt.
Die im Protokoll von David Elleray, dem maßgeblichen Entwickler des VAR, festgehaltene Forderung, nur bei einem klaren und offensichtlichen Fehler einzugreifen, „wurde leider nicht konsequent umgesetzt“, sagte Krug im Interview des Magazins „11 Freunde“: „Stattdessen ist der VAR vielfach zu aktiv, fast schon hyperaktiv. Die Interventionsschwelle ist zu niedrig, der VAR müsste viel zurückhaltender agieren.“
Krug sah seit Beginn der Rückrunde zwar „eine Verbesserung“: „Die Schiedsrichter wirken nicht mehr so fremdbestimmt, sie zeigen mehr Initiative und entscheiden wieder häufiger selbst, der VAR meldet sich deutlich zurückhaltender als zuvor.“ Situationen wie in Bremen sind deutliche Rückschläge in dieser Entwicklung.
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