Trumps neue Auto-Zölle machen importierte Neuwagen in den USA teurer. Der erste Hersteller dreht bereits an der Preisschraube. Die gebeutelte Branche muss sich trotzdem auf erhebliche Gewinneinbußen einstellen.
Für die deutsche Autoindustrie sind mit dem Inkrafttreten der höheren US-Importzölle in der Nacht schwere Zeiten angebrochen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit großen Belastungen für die Branche und steigenden Preisen, zunächst in den USA. Als erster Hersteller erhöhte Ferrari in den USA die Preise - um bis zu zehn Prozent, wie das italienische Unternehmen im Vorfeld angekündigt hatte.
Die Opel-Mutter Stellantis, zu der auch Chrysler gehört, unterbricht unterdessen die Produktion in Kanada. Das Werk in der Provinz Ontario werde ab kommende Woche für 14 Tage stillstehen, berichtete die Gewerkschaft Unifor auf Facebook.
VW stoppte laut "Wall Street Journal" vorübergehend die Auslieferung von Fahrzeugen aus Mexiko in die USA und hält Importe aus Europa vorerst in den Häfen zurück. Zudem wolle VW auf Fahrzeuge, die unter die neuen Zölle fallen, künftig eine "Importgebühr" ausweisen. Zur Höhe des Aufschlags und ab wann er gelten soll, machte VW noch keine Angaben.
Die meisten Hersteller halten sich mit konkreten Aussagen noch zurück. "Wir bewerten derzeit die Ankündigungen im Detail und bitten um Verständnis, dass wir uns vorerst nicht tiefergehend äußern können", so ein BMW-Sprecher. Bei Volkswagen of America hieß es, zu möglichen Auswirkungen auf Preise, Produktion oder Absatz könne der Konzern derzeit noch nichts sagen. Die Autobauer richteten Taskforces ein, um die Auswirkungen der Zölle zu prüfen und praktische Fragen zu klären.
Preise dürften erst in einigen Monaten steigen
Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass die Preise in den US-Autohäusern schnell steigen - aber nicht sofort. "Für die nächsten zwei Monate tut sich da gar nichts, denn die Händler haben große Fahrzeugbestände, die teilweise noch aufgefüllt wurden, um für Zölle gerüstet zu sein." Mercedes-Benz beispielsweise hatte seine Bestände hochgefahren, wie Analysten kürzlich vom Unternehmen erfahren hatten. Im Februar hatte die Marke nach Daten von Cox Automotive Bestände für 114 Verkaufstage, weit über dem Durchschnitt von 89.
In drei Monaten müsse man dann sehen, was passiert, sagt Dudenhöffer. Auch dann rechnet er aber nicht damit, dass die Preise im gleichen Maß wie die Zölle steigen. Die Hersteller würden das mit Rabatten oder anderen Verkaufsmaßnahmen verhindern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der durchschnittliche Neuwagenpreis in den USA liegt nach Daten von Cox Automotive bei 48.000 Dollar. Die Autoanalysten der Schweizer Bank UBS rechnen mit so stark steigenden Preisen, dass der Absatz um fast zehn Prozent sinken werde. "Die Hersteller haben jetzt die harte Wahl, wie viel sie von den zusätzlichen Zöllen selbst schlucken und wie viel sie auf Händler und Kunden abwälzen", erklärten die Analysten von Barclays. Mit erheblichen Gewinneinbußen wird fest gerechnet.
Jobs in Gefahr
Ab sofort gilt der Zoll von 25 Prozent auf Autos zusätzlich zu den bisherigen 2,5 Prozent. Ab dem 3. Mai sind dann auch 150 Kategorien von Autoteilen vom 25-prozentigen Aufschlag erfasst. Die am Mittwochabend verkündeten Zollerhöhungen um 20 Prozent gegenüber Europa kommen zwar nicht direkt auf Autos und Teile hinzu, verteuern aber manche Rohstoffe und Vorprodukte.
Die Folgen der 25-Prozent-Zölle seien derzeit noch schwer abzuschätzen, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen." Trumps Maßnahmen seien "eine massive Belastung und Herausforderung" für die gesamte Automobilindustrie. Der Auto-Importeursverband VDIK sprach von einem vernichtenden Tag für den freien Welthandel.
Auch Computer in Fahrzeugen stehen auf der Zollliste
Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Autozölle werden sich auf Fahrzeug- und Autoteileimporte im Wert von mehr als 460 Milliarden Dollar beziehen, wie aus einer Analyse der Zollcodes hervorgeht. Die Liste der Komponenten führt Motoren, Getriebe, Lithium-Ionen-Batterien oder Reifen, Zündkabel und Bremsschläuche auf. Sie könnte noch verlängert werden, wenn sich heimische US-Produzenten über unliebsame Konkurrenz beschweren. Auf ebenfalls erfasste Computer in Fahrzeugen entfielen im vergangenen Jahr nach offiziellen Daten 138,5 Milliarden Dollar.
Die USA sind wichtigster Auslandsmarkt für die deutsche Autoindustrie. Laut VDA wurden im vergangenen Jahr fast 450.000 Fahrzeuge aus deutscher Produktion in die USA exportiert. Fast jeder vierte Porsche wurde in den USA verkauft, bei BMW und Mercedes lag der Anteil jeweils bei gut 16 Prozent. Bei Audi waren es 12 Prozent, bei der Marke VW 8 Prozent.
Zwar produzieren Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz auch in den USA, decken damit aber nur einen Teil der dortigen Verkäufe ab. BMW importiert gut die Hälfte der in den USA verkauften Autos aus dem Ausland, die Marke VW fast zwei Drittel, vor allem aus Mexiko. Porsche und Audi bedienen den US-Markt sogar komplett mit Importwagen.
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