Die deutsche Hautpflegemarke Nivea unterstützt eine kremlnahe russische Stiftung finanziell. Das zeigen Recherchen von WELT AM SONNTAG. Demnach läuft in Russland derzeit eine Werbeaktion, bei der Hersteller Beiersdorf je verkauftem Produkt einen Teil des Umsatzes an die Organisation „So‘edinenie“ („Vereinigung“) überweisen will.
Stellvertretender Kuratoriums-Vorsitzender der Stiftung ist Verteidigungsminister Andrej Beloussow, einer der derzeit Hauptverantwortlichen für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands in der Ukraine.
Neben weiteren Ministern sind in dem Gremium zudem die mit westlichen Sanktionen belegten Oligarchen Wiktor Wekselberg und Alexej Mordaschow vertreten, daneben Vertreter von Banken und staatlichen Kulturinstitutionen wie dem Bolschoi-Theater.
Die Stiftung wurde 2014 auf Initiative des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegründet. Sie legt Projekte für taubblinde Menschen in Russland auf und gilt als Teil des Versuchs des Kreml, einen sozialen Schulterschluss der Eliten des Landes zu inszenieren.
Die Werbeaktion von Nivea steht im Kontrast zu früheren Ankündigungen des Dax-Konzerns Beiersdorf, als Konsequenz aus dem russischen Angriff auf die Ukraine auf Werbung in Russland zu verzichten und nur noch ein stark eingeschränktes Sortiment anzubieten. Beiersdorf bestätigte auf Anfrage „begrenzte finanzielle Spenden für spezifische Projekte der Stiftung“.
Die Kooperation laufe bereits seit sieben Jahren. Laut den Teilnahmebedingungen an der Aktion geht es um 500.000 Rubel Unterstützung, das sind umgerechnet gut 5500 Euro.
Weitaus bedeutender als die direkte finanzielle Zuwendung dürfte daher der Werbeeffekt für Nivea und für die Stiftung sein, die die Kooperation mit der deutschen Marke ebenfalls hervorhebt.
Obwohl Beiersdorf erneut erklärte, „nur noch grundlegende Haut- und Körperpflegeprodukte“ anzubieten, erstreckt sich die Aktion auf 144 Nivea-Produkte in landesspezifischen Verpackungen, darunter Anti-Aging-Produkte, Make-up-Entferner und Deos. Beiersdorf erklärte, Russland stehe derzeit für 1,5 Prozent des Konzernumsatzes. Das wären knapp 150 Millionen Euro.
Christoph Kapalschinski ist Wirtschaftsredakteur in Hamburg. Er berichtet regelmäßig über den Einzelhandel.
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