Ein Fehler im Drittliga-Spiel von Rot-Weiss Essen beim SC Verl sorgt für viel Aufregung: Deutschlands einzige Schiedsrichterin in den Männer-Profiligen kassiert Ärger von RWE. Dass sie auch massivem Sexismus von der Tribüne ausgesetzt ist, wird erst mit einer Woche Verzögerung zum Thema.

Fabienne Michel nimmt im deutschen Fußball derzeit eine Sonderrolle ein: Sie ist die einzige Schiedsrichterin in den drei Profiligen der Männer. Klar, damit fällt sie auf. Beim Drittliga-Spiel zwischen dem SC Verl und Rot-Weiss Essen am vergangenen Wochenende ärgerlicherweise auch durch einen Fehler. Sie stand im Laufweg von Klaus Gjasula, als der Essener das 1:0 des Verlers Berkan Taz verhindern wollte. Taz erzielte das erste von drei Verler Toren des Spiels, Rot-Weiss Essen verlor 0:3.

Die Essener Aufregung nach Abpfiff war riesig: "Ich bin nah dran. Ob ich den Ball geklärt hätte, weiß ich nicht, aber ich hätte ihn (Taz, Anm. d. Red.) auf jeden Fall gestört", schimpfte Gjasula. "Die Schiedsrichterin läuft mir aber voll in meinen Weg und daraus resultiert das 1:0." Essens Trainer Uwe Koschinat sagte, Michel hat "beschissen gestanden": "Die Schiedsrichterin läuft in eine Situation rein, in der sie nichts zu suchen hat."

Während die Schiedsrichter bei Ballberührungen inzwischen nicht mehr als Luft gelten, aber das weiterhin bei Kontakt mit den Spielern so ist, pfiff Michel die Szene folgerichtig nicht ab. Dass Gjasula nach dem Gegentor meckerte, ahndete Michel mit der Gelben Karte. "Das ist eine absolute Frechheit. Ich frage sie, was das soll, dass sie sich so positioniert. Und dann gibt sie mir die Gelbe Karte." Gjasulas Bewertung: Der Auftritt Michels war "an Arroganz nicht zu übertreffen". Koschinats Urteil: "ganz, ganz schlecht" und "unsouverän".

Dass Michel mit ihrer Bewertung der Szene das Spiel entschieden habe, wollte Koschinat aber nicht sagen: "Wahrscheinlich hätten wir sonst das Spiel auf eine andere Art verloren."

Sprechchöre arten aus

Worüber sich nach dem Spiel zunächst niemand aufregte: Die Essener Fans skandierten in der zweiten Halbzeit sexistische Sprechchöre gegen Michel. Als sie in der 54. Minute dem Essener Dominik Martinovic die Gelbe Karte zeigte, skandierten sie zunächst "Schieber, Schieber". Doch das wandelte sich in ein deutlich vernehmbares "Hure, Hure".

Und es wurde drastischer, wie der WDR berichtet. "Die Blonde wird gefickt, olé, olé", dann, der als Essener "Kult"-Gesang beschriebene Titel mit "Schlampe" und der Aufforderung zum oralen Geschlechtsverkehr. Niemand verurteilt es während des Spieltags. Der Deutsche Fußball-Bund wird erst durch die Recherchen der "Sportschau" aufmerksam. Ob Michel die Gesänge mitbekommen hat, ist nicht klar.

Die DFB Schiri GmbH hat die Szenen untersucht, nun leitet der Kontrollausschuss Ermittlungen gegen RWE ein. "Rot-Weiss Essen ist in diesem Zuge gemäß der Rechts- und Verfahrensordnung angeschrieben worden und nun zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert", sagte Alex Feuerherdt, Leiter Kommunikation & Medienarbeit der Schiri GmbH auf Nachfrage von ntv.de. Und weiter: "Die Schiri GmbH begrüßt die aufgenommenen Ermittlungen ausdrücklich. Gerade die Unterstützung und der Schutz der Schiedsrichterinnen ist uns sehr wichtig und hat hohe Priorität."

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