Vor der großen Partie gedenken sie eines ganz Großen. Am Dach seines Münchner Stadions hat der FC Bayern ein überdimensionales Trikot mit dem Namen Franz Beckenbauers und seiner legendären Rückennummer fünf angebracht, das die Fans in den Minuten vor dem Hinspiel des Achtelfinals der Champions League gegen Bayer Leverkusen an diesem Mittwoch (21 Uhr, DAZN) erstmals sehen werden.
Mit der Aktion will der deutsche Fußball-Rekordmeister seine größte Vereinslegende, den „Kaiser“, im Stile des US-Sports ehren. Dort hat es Tradition, die Rückennummern besonders verdienter Spieler nicht mehr zu vergeben und deren Trikot unter das Hallendach beziehungsweise unter das Stadiondach zu hängen.
Unter dem riesigen Beckenbauer-Trikot treten Mittwochabend dann zwei gegeneinander an, die auf dem Weg sind, ganz große Spieler zu werden: Jamal Musiala, 22 Jahre, und Florian Wirtz, 21 Jahre. In der mit Spannung erwarteten Partie stehen die beiden Jungstars besonders im Fokus. Beide sind Unterschiedsspieler, beide könnten entscheidend für den so ersehnten Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse sein. „Das wird großes Kino“, sagte Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Es ist das erste deutsch-deutsche Duell in der Champions League seit dem Finale von Wembley 2013, das die Bayern 2:1 gegen Borussia Dortmund gewannen. Bayern gegen Leverkusen: Der Fast-Meister (acht Punkte Vorsprung als Tabellenführer auf den Zweiten Leverkusen) gegen den amtierenden Meister – es geht um die neue Rangordnung im deutschen Fußball.
Die Äußerungen der Bayern-Legenden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge aus den vergangenen Tagen und Wochen haben das Aufeinandertreffen noch brisanter gemacht. Ehrenpräsident Hoeneß machte öffentlich deutlich, es sei sein großer Wunsch, dass Wirtz eines Tages für Bayern spielt. Und Aufsichtsrat Rummenigge sagte der „Abendzeitung“: „Florian Wirtz ist für mich der beste Spieler Deutschlands. Und ich mache auch keinen Hehl daraus, dass es ganz klar unser Ziel sein muss, Wirtz zu verpflichten.“ Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist von dem ersten Satz Rummenigges überrascht, haben die Bayern doch gerade für viel Geld mit Musiala bis 30. Juni 2030 verlängert.
Wer ist nun der beste? Wer der komplette der beiden Ballzauberer, der „Magier“, wie Fans, Mitspieler und Größen aus der Bundesliga Wirtz und Musiala mitunter nennen? Dieser Mittwochabend ist für beide einer der wichtigsten in ihrer bisherigen Karriere. Solche großen Spiele werden oft mit individueller Klasse entschieden.
In der deutschen Nationalmannschaft sehen die Zuschauer Musiala und Wirtz gemeinsam dribbeln und jubeln. Das würden die Bayern ihren Fans auch gern präsentieren. Doch so ein Transfer ist enorm kostspielig, Wirtz dürfte deutlich über 100 Millionen Euro kosten. Auch seinetwegen haben die Bayern keines der vergangenen sechs Pflichtspiele gegen Leverkusen gewonnen.
Bayer hofft weiter auf Verlängerung mit Wirtz
Wirtz verbindet Fußballkunst mit harter Arbeit, begeistert als kreativer „Zehner“ mit Technik und Spielintelligenz. In dieser Bundesligasaison erzielte er bisher neun Tore, gab zehn Vorlagen. Sein Mitspieler Alejandro Grimaldo bezeichnete ihn als „den magischsten Spieler, mit dem ich je gespielt habe“. Wirtz habe „die Magie, dass in jedem Moment etwas Außergewöhnliches passieren kann“.
Allerdings: Mit seinem extremen Ehrgeiz ist Wirtz schnell reizbar. „Manchmal wird er ein bisschen bockig, wenn ihm ein Gegenspieler auf den Sack geht. Das kann er abstellen“, sagte sein Mitspieler Jonathan Tah. Und Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht noch eine andere Schwäche: „Flo ist oft sogar zu unegoistisch. Er könnte allein aufs Tor gehen, will ihn dann aber noch einmal ablegen.“ Doch alle sind sich einig: Wirtz ist einer der besten Europas. Und wird wohl noch besser.
Der Vertrag des Ausnahmeprofis bei Leverkusen gilt bis Mitte 2027. Dennoch erscheint es unwahrscheinlich, dass er so lange am Rhein bleibt. Wirtz wurde bereits mehrfach mit einem Wechsel zu Real Madrid oder zum FC Bayern in Verbindung gebracht. „Man wird irgendwann etwas lesen und dann weiß man Bescheid“, sagte er vor wenigen Wochen über seine Zukunft.
Bayer hofft weiter, dass der 29-malige Nationalspieler langfristig bleibt und seinen Vertrag eventuell sogar verlängert. Der Ausgang der beiden Partien gegen die Bayern in der Königsklasse könnte Auswirkungen auf die Entscheidung des begehrten und 29-maligen Nationalspielers haben.
Wie Wirtz begeistert auch Musiala die Fußball-Fans. „Unglaubliche Dinge“ beherrsche er auf dem Rasen, so Sportdirektor Christoph Freund. Das belegen die Zahlen. Musiala traf in dieser Bundesligasaison bereits elfmal und gab vier Vorlagen. In der Champions League gelangen ihm zwei Treffer und ebenfalls vier Vorlagen. Die internationale Bühne reizt Musiala besonders. Mit seinem Team träumt er vom Erreichen des „Finale dahoam“, von der Teilnahme an dem Endspiel am 31. Mai in der Münchner Arena.
„Spitzenvereine auf der ganzen Welt suchen Unterschiedsspieler – und Jamal Musiala ragt noch mal heraus“, sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl kürzlich. Doch Musiala kam beim 0:0 am 22. Spieltag bei Bayer in der Bundesliga nicht an seine Leistungsgrenze. Die Bayern hoffen, dass ihm es diesmal gelingt.
Mit der Vertragsverlängerung ist Musiala zu einem Topverdiener aufgestiegen, er soll eine Ausstiegsklausel im dreistelligen Millionenbereich in seinem Vertrag verankert haben. Für die Bayern ist er das Gesicht ihrer neuen Generation. Im Klub trauen sie ihm zu, Weltfußballer zu werden. Doch jetzt muss Musiala mit den Münchnern erst mal die Hürde Leverkusen nehmen. Bayers Trainer Xabi Alonso hat von seinen bisherigen sechs Duellen mit den Münchnern noch kein einziges verloren. In München ist jedem klar, welch schwierige Aufgabe bevorsteht.
Die Statistik spricht allerdings gegen eine Niederlage der Bayern: Zuhause verloren sie in der Champions League zuletzt vor vier Jahren (2:3 im Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain). Das ist die längste Serie unter allen aktuellen Teilnehmern der Königsklasse.
Für Michael Ballack gibt es keinen Favoriten
Bereits zum 21. Mal stehen die Bayern seit der Reform des Wettbewerbs zur Saison 2003/04 im Achtelfinale. Einzig Real Madrid (22) gelang das häufiger. 16 Mal kamen die Münchner weiter. Leverkusen nahm seit der Saison 2003/04 fünfmal an der Runde der letzten 16 Teams teil, die Rheinländer schieden immer aus.
Michael Ballack spielte jahrelang für Bayer Leverkusen und später für den FC Bayern. Der DAZN-Experte sagt: „Für mich gibt es keinen klaren Favoriten. Viele setzen ja auf Leverkusen. Aber Bayern ist in meinen Augen nie Außenseiter – egal, in welcher Verfassung sie sich befinden.“
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