Da gehört gehörig Mut dazu: Die russische Tennisspielerin Darja Kassatkina sagt sich von ihrem Land los, wettert gegen den Ukraine-Krieg und wird von ihrer Heimat als "Extremistin" beschimpft. Nun bestreitet sie ihr erstes WTA-Turnier für Australien - und vermisst Russland dennoch.

Wenn nicht alles täuscht, dann ist Darja Kassatkina eine mutige Frau. Mutiger als die meisten Sportlerinnen und Sportler, die in Russland geboren sind. Den Krieg gegen die Ukraine bezeichnet sie selbstverständlich und voller Abscheu als "Albtraum". Außerdem steht sie seit Jahren öffentlich zu ihrer Homosexualität, für Moskau gilt sie damit als eine "Extremistin". Die Nummer zwölf der Tennis-Weltrangliste schlägt deshalb jetzt für Australien auf.

"Bei all dem, was in meinem früheren Land passiert, hatte ich keine große Wahl", sagte Kassatkina in Charleston, wo sie erstmals bei einem WTA-Turnier für ihr neues Land aufschlägt. Sie sei, erläuterte die 27-Jährige, nun mal "offen lesbisch", und "wenn ich ich selbst sein wollte, dann musste ich diesen Schritt gehen, und ich bin ihn jetzt gegangen". Acht WTA-Turniere hat sie schon gewonnen. Am Mittwoch wird sie nun ihr erstes Match als Australierin bestreiten.

"Sehr emotional für mich"

Kassatkina mag mutig sein, aber es ist auch alles nicht so einfach: Das Spielfeld hat sich nicht verändert - doch nun steht plötzlich "AUS" hinter ihrem Namen. "Es fühlt sich so anders an, ich werde da nicht lügen, es ist sehr emotional für mich", sagte sie in Charleston. Ja, auf "dieses neue Kapitel" freue sie sich sehr, hatte Kassatkina bei der Bekanntgabe ihres Seitenwechsels am Wochenende betont - zugleich aber ergänzt: Sie werde auch ihre "Wurzeln immer respektieren und wertschätzen".

Die Gefühle beruhen wohl nicht auf Gegenseitigkeit, so jedenfalls lesen sich russische Berichte zum Wechsel von Kassatkina, die vor zwei Jahren in einem Interview mit der Londoner "Times" einräumte, wie sehr sie doch an Russland hänge. "Ich wusste nicht, wie wichtig die Möglichkeit ist zurückzukehren. Erst als ich diese Möglichkeit verloren habe, wurde mir klar, wie sehr ich sie eigentlich brauche", sagte sie damals. Dass sie nun Australien repräsentiert, "daran muss ich mich erst noch gewöhnen".

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