Die Chefs des FC Bayern sind sauer wegen der schweren Knieverletzung von Alphonso Davies – nicht auf ihren Linksverteidiger, sondern auf die Verantwortlichen bei dessen Nationalmannschaft. Der 24-Jährige erlitt im Länderspiel Kanada gegen die USA einen Kreuzbandriss und einen Knorpelschaden im rechten Knie. Die Bayern drohen nun mit einer Klage.

Bei „Bild“ sagt Klubchef Jan-Christian Dreesen: „Wir fordern von Canada Soccer eine lückenlose Aufklärung der Abläufe und behalten uns juristische Schritte ausdrücklich vor“. „Einen offensichtlich verletzten Spieler mit einem angeschlagenen Knie, ohne fundierte medizinische Abklärung auf einen zwölfstündigen Interkontinental-Flug zu schicken, ist aus unserer Sicht grob fahrlässig und ein klarer Verstoß gegen die medizinische Sorgfaltspflicht.“

Nach der Verletzung in einem Zweikampf (6. Minute) und der Auswechslung (12. Minute) im Spiel um Platz drei der Concacaf-Nations-League hatte der kanadische Verband zunächst Entwarnung gegeben und Davies am Montag in den Flieger zurück nach München gesetzt. Nach der Rückkehr klagte Davies dann über Probleme. Erst nach Untersuchungen bei Mannschaftsarzt Prof. Dr. Peter Ueblacker und einem MRT an der Säbener Straße wurde die niederschmetternde Diagnose festgestellt.

„Phonzy trifft keine Schuld“

Hätte Davies überhaupt spielen dürfen? Dreesen dazu: „Insgesamt ist der Einsatz von Davies, der vor dem Spiel schon muskuläre Beschwerden hatte, in einem sportlich unbedeutenden Spiel aus unserer Sicht in keinster Weise nachvollziehbar. Phonzy trifft keine Schuld – er ist Kapitän, er will Verantwortung übernehmen. Aber gerade, weil Kanada als WM-Gastgeber ohnehin für die WM 2026 qualifiziert ist, darf man bei einem Führungsspieler wie ihm kein gesundheitliches Risiko eingehen.“

Davies‘ Berater Nedal Huoseh hatte bereits in der „tz“ schwere Vorwürfe gegen Kanada erhoben: „Er hätte im Spiel um Platz 3 gegen die USA nicht spielen sollen. Ich war überrascht, dass er in der Startelf stand, da er kommuniziert hatte, dass er nicht fit genug war, um zu starten. Eine Quelle innerhalb der CSA teilte mir am Freitagabend mit, dass Alphonso nicht in der Startelf stehen würde, aber möglicherweise ein paar Minuten spielen könnte. Ich habe ihnen gesagt, dass er überhaupt nicht spielen sollte.“

Auch Nationaltrainer Jesse Marsch zieht Huoseh in die Verantwortung: „Meiner Meinung nach hätte er die Situation besser managen müssen, das wäre zu 100 Prozent vermeidbar gewesen. Jesse hat vor seiner Zeit in Kanada auf höchstem Niveau im Profifußball trainiert und sollte ganz genau wissen, dass man keine Risiken mit Spielern eingeht, wenn diese sagen, dass sie nicht spielen können.“

Der kanadische Fußballverband reagierte umgehend und teilte über Paulo Senra, den Chief Communications Officer, mit: „Die Trainer und das erfahrene medizinische Personal von Canada Soccer sind echte Profis und haben der Sicherheit und dem Wohlergehen der Spieler stets höchste Priorität eingeräumt. Alles, was etwas anderes behauptet, ist unwahr.“

15 Millionen Gehalt, 22 Millionen Handgeld

Für die Bayern ist auch finanziell ein Schaden entstanden. Gerade erst hatte der deutsche Rekordmeister den Vertrag mit dem schnellen Abwehrspieler bis 2030 verlängert – für rund 15 Millionen Euro Jahresgehalt und 22 Millionen Euro Handgeld. Dem Verein steht von der Fifa über das „Club Protection Programme“ eine finanzielle Entschädigung. Aber vor allem der sportliche Ausfall ist hart für Trainer Vincent Kompany in der Schlussphase der Saison mit sechs Punkten Vorsprung in der Liga vor Leverkusen und dem Champions-League-Viertelfinale gegen Inter Mailand.

Dreesen: „Der Ausfall von Alphonso Davies trifft uns sehr hart. Auch wenn wir ihn personell auffangen können, ist es sportlich ein schwerer Schlag für den FC Bayern. Unabhängig vom Einzelfall zeigt sich erneut, wie risikobehaftet die März-Abstellperiode für Klubs in der Saison-Endphase ist. Der FC Bayern ist durch die Verletzungen von Upamecano und Davies in ganz besonderem Maße betroffen.“

Neben Davies fällt auch Dayot Upamecano verletzt aus nach seiner Reise zur französischen Nationalmannschaft. Beim Innenverteidiger wurden freie Gelenkkörper im linken Knie festgestellt. Auch er musste operiert werden.

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