Ein Medienbericht sorgt für enormes Aufsehen im deutschen Fußball und erschüttert viele in der Branche. Demnach soll ein deutscher Spielerberater unter dem Vorwand von sportmedizinischen Untersuchungen minderjährige Spieler im Intimbereich berührt haben. Das berichtet „Correctiv“. Dem Bericht zufolge geht es um mehr als hundert Fällen, die sich weit über ein Jahrzehnt hinweg zugetragen haben sollen.

Dem Bericht, den viele Medien am Mittwoch aufgriffen, liegen laut „Correctiv“ Aussagen von elf Fußballspielern zugrunde, darunter auch spätere Bundesligaprofis. Vier Spieler unterzeichneten nach Angaben des Medienhauses eidesstattliche Versicherungen für ihre Aussagen. Die Spieler berichten von Nacktbehandlungen im Büro des Beraters.

Drei Autoren stehen über dem Text, einer von ihnen ist Jonas Hummels. Der 34-Jährige ist der ältere Bruder des 2014-Weltmeisters Mats, der derzeit beim AS Rom unter Vertrag steht. Jonas Hummels spielte selbst Profifußball bei der SpVgg Unterhaching, wegen vieler Verletzungen beendete er seine Karriere im Jahr 2016. Vater Hermann war früher Jugendkoordinator beim FC Bayern und hat als Scout in Unterhaching gearbeitet, Mutter Ulla Holthoff war zwei Jahre lang Pressesprecherin des Vereins.

Unter dem Text wird Hummels kurz vorgestellt. Dort heißt es: „Jonas Hummels ist ehemaliger Fußballprofi und Kommentator. Diese Recherche ist seine erste investigative Arbeit und berührt ihn besonders. In seiner aktiven Zeit bei der SpVgg Unterhaching lernte er den Spielerberater N. kennen, wurde aber weder von ihm beraten noch behandelt.“

In dem von Jonas Hummels mitverfassten Berichten heißt es, die Jugendlichen hätten Übungen absolvieren müssen, bei denen sie immer wieder an intimen Stellen berührt worden seien. Der Berater habe diese Untersuchungen als Routine zu normalisieren versucht. Er soll Sätze wie „Buchse runter!“ gesagt haben. Und immer wieder seine guten Verbindungen betont haben.

Ein Spieler, der damals für eine Nachwuchsmannschaft der SpVgg Unterhaching spielte, schildert in dem Bericht: „Ich kann mich noch genau erinnern, wie er mich am Schambein berührt hat oder innen in der Leiste und dort reingedrückt hat.“ Vor einer Behandlung habe der Spielerberater „Darf ich?“ gefragt. Der Spieler, damals 16 Jahre, habe mit „ja“ geantwortet, woraufhin ihn der Mann am Hoden berührt habe. Zu dieser Zeit soll sich N. öffentlichkeitswirksam für besseren Kinderschutz engagiert haben.

Der Beschuldigte, der in dem Bericht N. genannt wird, bestreitet die Vorwürfe, die sich auf den Zeitraum von 2010 bis 2023 beziehen. „Ich behandle niemanden sportmedizinisch, ich bin kein Arzt“, sagte er .

Berater: Keine gezielten Berührungen im Intimbereich

In einer schriftlichen Stellungnahme distanzierte sich der Berater zudem von dem Vorwurf, es habe „gezielte Berührungen im Intimbereich“ gegeben und berichtet von „Angeboten“ unter anderem als Erstanlaufstelle für medizinische Fragen oder Dehnen, Mobilisation und Checks. Zweck sei gewesen, den Spielern „möglichst gesund sehr guten Fußball“ zu ermöglichen. Alle Spieler hätten „ausnahmslos selbst“ entscheiden können, ob und in welchem Umfang sie diese in Anspruch nehmen. Räumlichkeiten mit „Angeboten“ seien frei zugänglich und Türen nie geschlossen gewesen.

Er empfinde es als zutiefst beleidigend und verletzend, „dass diesem Vorgehen nun eine sexuelle Konnotation verliehen werden soll“.

Der Beschuldigte arbeitet laut des Berichts „in einflussreicher Funktion bei einer Spielerberateragentur“. Die Agentur hält an ihrem Mitarbeiter fest. „Nach unseren Überprüfungen in den letzten Tagen finden wir für Ihre Vorwürfe keinen Anhaltspunkt“, so ein Geschäftsführer gegenüber „Correctiv“.

Im Jugendbereich ist der Mann laut des Berichts bereits seit Ende der 90er-Jahre tätig, zunächst als „pädagogischer Leiter“ in einem Münchner Fußballklub. Mindestens 40 Spieler, die er später betreut hat, spielten demnach bei der SpVgg Unterhaching.

Spieler berichten von Stoßwellentherapie

Mit ihren Eltern hätten sie nicht über den Berater und seine Behandlungen gesprochen, sagen die Spieler. Der Sprecher des Vereins teilte demnach mit, dass sich Spieler über „Untersuchungen durch N.“ unterhalten hätten: „Gesprochen haben hierüber aber stets nur volljährige Spieler, dass minderjährige Spieler nackt untersucht wurden, war nicht Thema.“

Laut „Correctiv“ berichteten einige Spieler außerdem, der Berater habe eine Stoßwellentherapie angewendet. Diese Therapieform ist Privatpersonen untersagt. Konkrete Fragen dazu ließ N. laut dem Bericht unbeantwortet.

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