Mailand begrüßte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Sonne. In herrlichem Frühabend-Licht ging es für den Bundestrainer Julian Nagelsmann nach der Ankunft direkt weiter zur Pressekonferenz ins legendäre Stadion San Siro.

Vor dem Hinspiel des Viertelfinales der Nations League gegen Italien an diesem Donnerstag (20.45 Uhr, ARD) in der traditionsreichen Arena sprach der 37-Jährige über den „Klassiker“. Die Mannschaft, die sich in dieser Runde des Wettbewerbs durchsetzt, wird das „Final Four“, Halbfinale und Finale, ausrichten. Rund 3500 deutsche Fans werden in Mailand im Stadion sein – so viele waren seit zehn Jahren nicht bei einem Auswärtsspiel. „Das ist ein großes Lob an die Mannschaft und hilft uns sehr“, sagte Nagelsmann auf der Pressekonferenz.

Leon Goretzka, der erstmals seit 2023 wieder nominiert wurde, wird wohl direkt von Beginn an spielen. Er und Angelo Stiller vom VfB Stuttgart sollen das zentrale Mittelfeld gegen Italien bilden. „Er ist ein guter und erfahrener Bundesligaspieler“, sagte Nagelsmann und betonte, dass sich Goretzka seine Nominierung mit guten Leistungen für den FC Bayern verdient habe. „Seit Vincent Kompany da ist, hat Leon auch wieder einen hohen Stellenwert bei Bayern.“

Nagelsmann äußerte sich auch zu Jamal Musiala. Der Spielgestalter wurde zuletzt in Spielen mit dem FC Bayern und der Nationalelf relativ oft gefoult. In der Liste der in der Bundesliga am meisten gefoulten Spieler liegt der 22-Jährige auf Platz drei. Musiala postete zuletzt im Anschluss an das 1:1 in der Liga gegen den 1. FC Union Berlin ein Foto seines Bayern-Trikots, das ein Gegenspieler zerrissen hatte. Wird die harte Gangart vieler Gegner ein Problem gegen Italien? Und für Musiala als Nationalspieler generell?

„Ich gebe ihm nicht mehr Verantwortung als sonst“, sagte Nagelsmann auf die Frage von WELT zu Musiala. „Er soll der Straßenkicker sein, der er ist, aber durch den Ausfall von Kai (Havertz, d. Red.) oder Flo (Florian Wirtz, d.Red.) hat er nicht mehr Verantwortung als sonst. Er soll das spielen, was ihm Spaß macht. Es ist eine große Auszeichnung, dass er so oft gefoult wird. Das zeigt, dass er schwer zu verteidigen ist.“ Nagelsmann berichtete, dass er zuletzt mit Musiala Videoszenen von seinen Aktionen abgesehen habe. Und ihm geraten habe, ab und zu etwas weniger Risiko zu nehmen. „Ich hoffe, dass er trotz vieler Fouls gesund bleibt.“

Die vergangenen Wochen seien auch nicht einfach für Musiala gewesen. „Wenn man einen neuen Vertrag unterschreibt, dann gehen die Erwartungen auch automatisch hoch.“ Musiala hat seinen Vertrag bei den Münchnern kürzlich langfristig verlängert und gehört nun zu den Spitzenverdienern in dem Weltklub.

Ebenfalls auf der Pressekonferenz war Antonio Rüdiger. Der Abwehrstar Real Madrids sagte über das Spiel gegen Italien: „Diese Rivalität gab es schon, bevor ich geboren wurde. Das ist einfach ein großes Spiel. Ich freue mich sehr auf das Spiel.“ Alle deutschen Nationalspieler hätten bei der EM im vergangenen Jahr in Sachen eines möglichen Titelgewinns Blut geleckt. „Vor einem so wichtigen WM-Jahr wäre es gut, unsere eigenen Leute mitzunehmen. Titel ist Titel“, so Rüdiger über das Ziel, die Nations League zu gewinnen und die Fans zu begeistern.

Im Tor wird in den beiden Spielen gegen Italien Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim stehen. Der Keeper erhielt von Nagelsmann die Rückennummer eins und soll damit den weiterhin verletzten Stammtorwart Marc-André ter Stegen vertreten. „Es ist eine Millimeter-Entscheidung“, sagte Nagelsmann zu der Entscheidung auf der Torwart-Position.

Alexander Nübel gegen Italien nur auf der Bank

Alexander Nübel vom VfB Stuttgart, der sich auch Hoffnung auf die Nummer eins gemacht hatte, wird mit der Rolle des Stellvertreters vorliebnehmen müssen. Im Oktober und November setzte Nagelsmann noch auf eine Job-Teilung. Die beiden ter-Stegen-Vertreter wechselten sich ab. Baumann spielte aber – im Gegensatz zu Nübel – zweimal „zu null“.

Als es um die Torhüter ging, nahm Nagelsmann auch Jonas Urbig vom FC Bayern in Schutz. Der junge Torwart war nach einem Fehler beim 1:1 gegen Union kritisiert worden. „Ich schaue das Spiel an und sage: Er muss da hin, weil er genau aus dieser Situation lernt, um dann für ganz große Spiele auch vorbereitet zu sein. Mir ist lieber ein Torwart macht eine Risikoaktion, weil er denkt: vielleicht gewinne ich den Ball. Das ist mir lieber, als dass Torhüter nur auf der Linie kleben und ja keinen Fehler machen. Dann wird er nie ein großer Torwart. Wenn wir uns wünschen, dass junge Spieler auch mal Fehler machen dürfen, müssen wir auch fair damit umgehen und dann nicht in jeder Sendung so extrem auf den Jungen herumhacken.“

Joshua Kimmich wird auf der Rechtsverteidigerposition bleiben. „Er ist der Verlässlichste auf der Position“, so der Bundestrainer über Kimmich, der gerade seinen Vertrag beim FC Bayern verlängerte.

Nagelsmann stellte auf der Pressekonferenz zudem klar, dass er Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern nicht kritisiert habe, weil dieser derzeit erkrankt ausfällt. Nagelsmann hatte sich im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu Pavlovic geäußert, was Kritik nach sich zog. „Ich zwänge ihn da nicht rein. Es bezog sich auf die Zeit vor seinem Pfeifferschen Drüsenfieber“, so Nagelsmann über Pavlovic. „Er braucht den Rhythmus. Ich werde nie einen kranken Spieler drücken, damit er bei uns Stammspieler ist. Pavlovic soll sich alle Zeit der Welt nehmen, um seinen tollen Weg weiterzugehen.“ Nagelsmann sagte, er habe selbst mal Pfeiffersches Drüsenfieber gehabt.

Das Rückspiel gegen Italien steigt am Sonntag (20.45. Uhr, RTL) in Dortmund. „Italien müssen wir erst mal schlagen. Es ist ein extrem starker Gegner“, so Nagelsmann. „Wir wollen erst mal schauen, wie das erste Spiel läuft. Ich bin kein großer Fan von Taktieren. Sondern von Gewinnen. Es wird ein spannendes Duell.“

Julien Wolff ist Sportredakteur. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er wird beim Hinspiel gegen Italien im Stadion San Siro sein.

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