Rund um den Globus drücken Anleger an den Finanzmärkten reihenweise den Panik-Button. Nach den Zoll-Ankündigungen der USA kommen mehrere Branchen unter die Räder. Nicht selten verlieren Einzelwerte zweistellig. Experten sehen das Ende des Ausverkaufs längst nicht erreicht.
Das drastische Zollpaket von US-Präsident Donald Trump hat Schockwellen durch die Finanzmärkte gesendet. Der deutsche Leitindex Dax sackte um 3,1 Prozent auf 21.700 Punkte ab, der EuroStoxx50 gab 3,6 Prozent nach. Auch an der japanischen Börse und an der Wall Street ergriffen die Anleger die Flucht. Die US-Indizes rutschten zwischen 4 und 5,8 Prozent ab. Am Devisenmarkt ging der Dollar auf Talfahrt.
"Trump pokert hoch, die Börsen fallen tief", sagte Stratege Jochen Stanzl von CMC Markets. Aus Sicht von QC-Partners-Analyst Thomas Altmann rückt der US-Präsident "die Weltwirtschaft näher an den Abgrund heran". Dieses Vorgehen werde weltweit Wachstum kosten, viele Staaten könnten in die Rezession rutschen.
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Ab dem 5. April soll ein Basiszoll von zehn Prozent auf alle US-Importe gelten. Zudem kündigte der Republikaner noch höhere Zölle für einige der größten Handelspartner an, die am 9. April wirksam werden sollen. Für die Europäische Union sollen 20 Prozent gelten, für China sind 34 Prozent vorgesehen. "Angesichts der erheblichen Erschütterung des globalen Handelssystems erscheint es schwer vorstellbar, dass sich die Aktienmärkte von den jüngsten Verlusten erholen - weitere Kursrückgänge scheinen wahrscheinlich", sagte Chris Iggo von AXA Investment Managers.
An der Einschätzung vieler Analysten fielen die Zölle Trumps höher als erwartet aus. Besonders betroffen sind auf der Unternehmensseite Sportartikelhersteller, da wichtige Produktionsländer wie Kambodscha, Vietnam, Bangladesch oder Indonesien mit Zöllen zwischen 49 und 32 Prozent belegt wurden. Im Dax brachen die Adidas-Titel um 11,7 Prozent ein. Puma-Papiere waren mit einem Abschlag von 11,2 Prozent auf 20,29 Euro so billig wie seit fast neun Jahren nicht mehr. In den USA rutschten die Aktien von Nike um elf Prozent ab.
Auch Einzelhändler und Luxusfirmen gerieten unter die Räder. Die Aktien des Cartier-Mutterkonzerns Richemont und des Uhrenkonzerns Swatch gaben rund sechs Prozent ab. Die Papiere des dänischen Schmuckherstellers Pandora brachen um 10,7 Prozent ein, Burberry fielen um zehn Prozent, der Gucci-Mutterkonzern Kering um 7,5 Prozent. Ralph Lauren sackten um 17 Prozent ab.
Unter Druck gerieten auch die Sektoren Automobil, Reederei und Logistik und Banken. Dagegen legte der Immobiliensektor um rund zwei Prozent. Investoren greifen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten verstärkt bei Sachwert-Aktien zu.
An den Rohstoffmärkten hinterließ die Furcht vor einem weltweiten Konjunktureinbruch ihre Spuren. Der Preis für das Industriemetall Kupfer fiel um 3,5 Prozent. Noch steiler abwärts ging es beim Öl: Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um sieben Prozent auf 69,74 Dollar, US-Öl WTI fiel um 7,6 Prozent auf 66,25 Dollar je Fass (159 Liter). Die Nachfrage nach Öl hänge besonders stark von mit hohen Zöllen belegten asiatischen Schwellenländern ab, sagte Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia. Zudem wollen Länder der Opec+-Gruppe im Mai ihre Produktion deutlich steigern, was die Preise zusätzlich unter Druck setzte.
Auf der Suche nach sicheren Häfen griffen die Anleger bei der Anti-Krisen-Währung Gold zu. Der Preis für das Edelmetall stieg zeitweise um 1,1 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 3167,57 Dollar je Feinunze. Allein in diesem Jahr kommt Gold auf ein Plus von mehr als 15 Prozent.
Gefragt waren angesichts der Marktturbulenzen auch Staatsanleihen. Die Kurse der zehnjährigen deutschen Titel stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite bis auf 2,625 Prozent nach 2,725 Prozent im Schlussgeschäft vom Mittwoch. Das war der tiefste Stand seit Anfang März. Die Verzinsung der zehnjährigen US-Anleihe ging in der Spitze um 15 Basispunkte auf ein Fünfeinhalb-Monats-Tief von 4,004 Prozent zurück.
Einen rabenschwarzen Tag erlebte die US-Währung. Der Dollar-Index markierte ein Sechs-Monats-Tief. Er fiel in der Spitze um 1,8 Prozent auf 101,26 Punkte. Der Euro stieg hingegen um bis zu 2,7 Prozent auf 1,1144 Dollar. Die Widerstandsfähigkeit des Euro sei wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich Europa angesichts der US-Zölle auf die Unterstützung seiner Wirtschaft konzentriere, statt nur auf Vergeltungsmaßnahmen zu setzen, sagte Rodrigo Catril, Währungsstratege bei der National Australia Bank.
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