Die von den USA angekündigten Zölle haben alle Befürchtungen übertroffen. Vor allen Dingen die deutschen Schlüsselbranchen, Auto, Maschinenbau, Chemie, rechnen mit deutlichen Einbußen.
Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zollmaßnahmen haben sämtliche Prognosen in den Schatten gestellt. Ökonomen erwarten massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Ken Rogoff, sagte in einem Interview mit der BBC, Trump habe eine Atombombe auf das Welthandelssystem geworfen.
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, spricht vom Ende einer Ära. "Wir haben vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis vor einiger Zeit eine lange Phase der Globalisierung gesehen, wo der Welthandel schneller gestiegen war als das Weltbruttoinlandsprodukt", so Krämer gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Diese habe für internationale Arbeitsteilung und gewaltige Wohlstandsgewinne gesorgt. "Diese segensreiche Phase der Globalisierung ist definitiv zu Ende."
Rückgang bei Export und Wirtschaftsleistung
Für die deutsche Wirtschaft sind die USA wichtigster Handelspartner. Zehn Prozent aller deutschen Ausfuhren gehen dorthin. Im vergangenen Jahr erreichten die Lieferungen mit einem Wert von über 160 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Ein geschätzter Export-Rückgang um 15 Prozent, der etwa vom ifo-Institut als Folge der Zölle prognostiziert werde, würde Deutschland auch gesamtwirtschaftlich treffen. "Das werden wir spüren", sagt der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura.
Falls die Zölle wie angekündigt erhoben werden, würde dies in der gesamten deutschen Wirtschaft Spuren hinterlassen. Ökonomen rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 0,3 und 0,5 Prozentpunkten pro Jahr. Ein tiefer Einschnitt, wenn man bedenkt, dass die deutsche Wirtschaft zwischen 1970 und 2024 durchschnittlich um 0,46 Prozent gewachsen ist.
Schlüsselindustrien werden hart getroffen
Der befürchtete Rückgang dürfte auch Jobs kosten, glaubt Dirk Jandura: ""Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang." Bei kleineren Unternehmen, die schon geschwächt aus den letzten schwierigen Jahren gekommen seien, könne das auch das Aus bedeuten.
Mit Blick auf die "Exportschlager" der deutschen Wirtschaft wird schnell klar, welche Branchen besonders hart von den Zollmaßnahmen getroffen werden: Automobilproduktion, Maschinenbau und die chemische Industrie sind sowohl im Inland als auch im Außenhandel deutsche Schüsselindustrien und zählen die USA zu ihren wichtigsten Auslandsmärkten.
Jeder vierte Porsche fährt in den USA
Allen voran die Automobilindustrie. Im vergangenen Jahr wurden fast 450.000 Fahrzeuge aus deutscher Produktion in die USA exportiert. Fast jeder vierte Porsche wurde in den USA verkauft, bei BMW und Mercedes lag der Anteil jeweils bei gut 16 Prozent. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete die Maßnahmen als "fundamentalen handelspolitischen Einschnitt". Die Folgen der 25-Prozent-Zölle auf Pkw, seien seien jedoch zu diesem frühen Zeitpunkt schwer einzuschätzen.
Ähnlich stark sind die Belastungen auch für den Maschinen- und Anlagenbau. Der Branchenverband VDMA beziffert den Anteil an Lieferungen in die USA auf 14 Prozent des gesamten Exportvolumens, das im Jahr 2024 bei 200 Milliarden Euro gelegen habe. "Es ist ein Schlag in das Gesicht aller Exporteure", urteilt Raloh Wiechers, Hauptgeschäftsführung VDMA.
Chemie- und Pharmaprodukte teilweise ausgenommen
Auch für die Chemie- und Pharma-Industrie sind die USA wichtigster Markt außerhalb Europas. Die deutschen Exporte chemischer Erzeugnisse in die USA beliefen sich nach Angaben des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) im Jahr 2024 auf Waren im Wert von 10,2 Milliarden Euro, die deutschen Pharmaexporte hätten 2024 sogar einen Wert von 27,9 Milliarden Euro gehabt. VCI-Hauptgeschäftsführer des Wolfgang Große Entrup kommentiert die US-Zölle als "Tiefschlag", streicht aber auch die Bedeutung deutscher Unternehmen als Arbeitgeber in den USA hervor. Laut Bundesbank gibt es 128 Chemie-Tochterunternehmen deutscher Firmen mit 53.000 Beschäftigten, die einen Umsatz von 65 Milliarden Euro erwirtschaften.
Von den Zusatzzöllen ausgenommen würden allerdings eine ganze Reihe von Produkten, die die USA selbst nicht im erforderlichen Maße haben oder die für die USA wichtig sind, schreiben die Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner, Christoph Balz und Vincent Stamer. Diese Produktkategorien seien in einem Anhang zur Exekutivanweisung aufgeführt. Darunter fallen Pharmaprodukte, fossile Energieträger, Chemieprodukte, Halbleiter, Mineralien und Holz. Überschlägig betrifft dies ein Fünftel der US-Einfuhren. Für Deutschland wichtig sind hier pharmazeutischen Produkte (16 Prozent der deutschen Ausfuhren in die USA sowie Chemie (neun Prozent der Ausfuhren).
Generell sieht sich die deutsche Wirtschaft von den drohenden Zöllen in die Zange genommen. Man befürchtet auf der einen Seite Umsatzrückgänge in den USA, aber auch in anderen Kundenländern, wenn sich andere Exportnationen wie China aufmachen sollten, neue Märkte zu erschließen. Daran jedoch führe auch für deutsche Firmen kein Weg vorbei. "Die EU muss jetzt ihre Allianzen mit anderen großen Handelspartnern stärken und sollte ihre Reaktion mit ihnen abstimmen", sagt Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).
Am Ende verlieren alle
Für die USA befürchten Beobachter höhere Preise, sinkende Kaufkraft und eine schrumpfende Wirtschaftsleistung mit Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Ein System hinter den angekündigten Zollmaßnahmen vermögen Ökonomen nicht zu erkennen. "Trump hat sich angeschaut, wo die Defizite größer sind und da hat er höhere Zölle draufgelegt", erklärt Achim Wambach, Präsident des ZEW - Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.. "Eigentlich ist das eine Zollpolitik mit der Gießkanne, und das ist keine gute Ökonomie."
Aus diesem Grund setzen die Wirtschaftsinstitute und die Branchenverbände auf Verhandlungen, um das Zollrad wieder zurückzudrehen. So richtig ist die neue Handelswelt noch nicht in den Köpfen angekommen, auch wenn sie an den Märkten bereits Wirkung zeigt und am Ende voraussichtlich nur Verlierer kennt.
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