Geopolitische Herausforderungen setzen Deutschlands Industrie zunehmend unter Druck. Die Folgen sind schon jetzt immens: Unternehmen bauen etliche Stellen ab - allein im vergangenen Jahr verlieren Zehntausende ihren Job. Die Zollpolitik von US-Präsident Trump dürfte diesen Trend noch befeuern.

Die deutsche Industrie hat im vergangenen Jahr in fast allen großen Branchen massiv Stellen abgebaut. Ende 2024 waren rund 5,5 Millionen Personen in Betrieben tätig, die mindestens 50 Mitarbeitende beschäftigen und dem Verarbeitenden Gewerbe angehören. Damit ist die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 68.000 oder 1,2 Prozent gesunken. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor.

Im Vergleich zum Jahresende 2018 - als die deutsche Industrie mit 5,7 Millionen Mitarbeitern einen Beschäftigungsrekord erreichte - sind 172.000 Jobs weggefallen. Das entspricht einem Rückgang von 3 Prozent. Dennoch bleibt im Zehnjahresvergleich ein Plus von 3,5 Prozent: Letztes Jahr arbeiteten in der Industrie 185.000 Beschäftigte mehr als noch 2014.

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht in der Entwicklung "ein klares Zeichen einer Deindustrialisierung", wie dessen wissenschaftlicher Direktor Sebastian Dullien sagte. Die deutsche Industrie stehe durch geopolitische Verschiebungen unter Druck. "Sowohl China als auch die USA wollen ihre eigene Industrie stärken", sagte Dullien.

US-Zölle dürften vor allem Auto- und Maschinenbauer treffen

So könnte US-Präsident Donald Trump noch am Mittwoch hohe Zölle auf Importe auch aus Deutschland verkünden. Das dürfte vor allem die Auto- und Maschinenbauer treffen. "Zwei Branchen, die ohnehin derzeit kriseln", warnte Dullien. Daher sei es wichtig, dass die von Union und SPD geplanten 500 Milliarden Euro an Sondervermögen "vollständig und schnell in Infrastrukturprogramme fließen".

Besonders stark sank die Zahl der Beschäftigten Ende 2024 bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen mit minus 3,6 Prozent. Deutliche Rückgänge gab es zudem bei den Herstellern von Metallerzeugnissen mit minus 2,9 Prozent, in der Kunststoff- sowie in der Autoindustrie mit jeweils minus 2,4 Prozent.

Der Maschinenbau als Branche mit der höchsten Beschäftigtenzahl verzeichnete einen Rückgang von minus 1,2 Prozent - das entspricht in etwa dem Durchschnitt. Einen eher geringen Stellenabbau meldeten die chemische Industrie und die Metallerzeugung und -bearbeitung mit jeweils minus 0,7 Prozent. Auch die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen verzeichneten mit einem Minus von 0,4 Prozent einen verhältnismäßig niedrigen Stellenabbau. Die Nahrungsmittelindustrie meldete sogar einen Anstieg von 1,8 Prozent.

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