Es regnet kaum, es fließt weniger Schmelzwasser aus den Alpen. Früher als üblich führt der Rhein weniger Wasser als nötig, um die Binnenschifffahrt auf normalem Niveau zu halten. Experten sind alarmiert, es gibt kaum Aussichten auf kurzfristige Abhilfe.

Die Pegelstände von Deutschlands Wasserstraßen sind für diese Jahreszeit mancherorts ungewöhnlich niedrig. Am Ober- und Mittelrhein könnten Schiffe teilweise nicht voll beladen fahren, wie der Deutschlandfunk unter Berufung auf den Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt berichtete. Nadelöhr ist demnach der Mittelrhein zwischen St. Goar und Wiesbaden. Unter- und oberhalb, etwa in Duisburg oder Karlsruhe/Maxau, sei der Wasserstand dem Bericht zufolge zwar ebenfalls ungewöhnlich niedrig, aber nicht kritisch.

Zu Wochenbeginn lag der Rheinpegel bei Worms bei zeitweise 78 Zentimetern, im hessischen Kaub bei 100 Zentimetern. An diesem Mittwoch um 8.30 Uhr waren es 82 beziehungsweise 110 Zentimeter. Normal sollte der Wasserstand um die zwei Meter betragen, berichtet die "Bild"-Zeitung. Der Klimatologe Karsten Brandt sagte dem Blatt, der Pegel am Rhein sei so niedrig wie sonst im Spätsommer oder Herbst. Zurückzuführen sei dies auf die viel zu geringen Niederschlagsmengen in den vergangenen Wochen und die deutlich geringer ausfallende Schneeschmelze in den Alpen.

Eine signifikante Änderung dieser Faktoren ist auch in der laufenden Woche nicht in Sicht. Bis zum Wochenende geht es trocken und sonnig weiter, heißt es aus der ntv-Wetterredaktion. "Die Regenmenge in dieser Woche ist fast null. Und bis Mitte April soll auch nicht mehr viel Niederschlag fallen", sagte Klimaforscher Brandt der "Bild"-Zeitung. In der Folge könnte der Pegel in Kaub in den kommenden Wochen unter die kritische Marke von 78 Zentimetern fallen. Eine entsprechende "wahrscheinlichkeitsbasierte 14-Tage-Vorhersage" trifft auch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und das Bundesamt für Gewässerkunde.

Florian Krekel von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erklärte der "Bild"-Zeitung, größere Container-Schiffe müssten dann auf noch mehr Ladung verzichten. Dann seien nur noch 30 Prozent Beladung möglich. Aktuell sind die Schiffe mit 40 bis 50 Prozent beladen, heißt es in dem Bericht. "Schon jetzt müssen manche Schiffe leichter beladen werden", sagte Nicole Rabold von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz dem SWR am Dienstag. Der Pegel in Kaub sei dabei die entscheidende Größe.

Folgen für die Industrieproduktion

"Fällt der Pegel bei Kaub über eine längere Zeit unter die kritische Marke von 78 Zentimetern, wird für einige Fabriken der Nachschub knapp und sie können weniger produzieren", warnte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung. "Dieser Effekt schlägt messbar auf die gesamte deutsche Industrieproduktion durch." Der Rhein sei die Lebensader für die Fabriken in Deutschland. Wenn die Schiffe aufgrund des niedrigen Wasserstandes nicht mehr voll beladen werden können, drohten Rohstoffe knapp zu werden. "Wichtig sind Schiffe für den Transport etwa von Kohle, Rohöl und Erdgas, die häufig am Beginn von Produktionsketten stehen."

Der menschengemachte Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse. Lang anhaltende Dürreperioden sind auch in Deutschland deswegen vermehrt möglich. Dem SWR zufolge setzt etwa der Chemiekonzern BASF inzwischen auf spezielle Schiffe für Niedrigwasser. Diese habe man nach dem extremen Niedrigwasser im Dürrejahr 2018 angestoßen. Mit diesen Maßnahmen sehe sich der Konzern gut gerüstet, teilte eine Sprecherin dem Sender mit. Auch würden die Pegelstände bis zu sechs Wochen im Voraus abgeschätzt werden können, was bei der Planung der Logistik helfe.

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