Die Deutsche Bahn will nach einem weiteren Jahr mit hohen Verlusten 2025 zumindest im operativen Geschäft profitabel werden. Konzernchef Richard Lutz sagte am Donnerstag in Berlin, die Wende sei mit der schrittweisen Sanierung des maroden Schienennetzes, Kosteneinsparungen in der Verwaltung und absehbar hohen Investitionen bei gleichzeitig sinkenden Schulden eingeleitet.

Größtes Sorgenkind des Staatskonzerns bleibt die Güterverkehrstochter DB Cargo. Positiv entwickelt sich der Regionalverkehr, in dem die Pünktlichkeit deutlich höher ist als im Fernverkehr und der vom Deutschland-Ticket profitiert. Die Lage bleibt insgesamt aber schwierig.

Bereinigt um Verkäufe fiel 2024 vor Zinsen und Steuern ein Betriebsverlust von 333 Millionen Euro an. „Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Verlust auch aufgrund von Ausgleichszahlungen des Bundes für Instandhaltungsmaßnahmen in der Infrastruktur um rund 1,8 Milliarden Euro deutlich verringert werden“, teilte die Bahn mit. Unter dem Strich stand ein Minus von 1,8 (2023: minus 2,7) Milliarden Euro. Der Umsatz stieg leicht auf 26,2 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen es mehr als 27 Milliarden Euro werden.

Bahnchef Lutz sagte, 2024 sei erneut ein herausforderndes Jahr mit Streiks, Extrabelastungen wegen der schlechten Pünktlichkeit und negativen Effekten durch die Rezession gewesen. „Die Deutsche Bahn befindet sich in der größten Krise seit der Bahnreform“, sagte Lutz mit Blick auf die vergangenen 30 Jahre.

„Wir sind in wesentlichen Bereichen weit weg von dem, was wir uns vorgenommen haben und was unsere Kunden von uns erwarten.“ Deswegen sei das Sanierungsprogramm S3 aufgesetzt worden. Bis Ende 2027 soll die Mitarbeiterzahl gegenüber 2024 vor allem in der Verwaltung um rund 10.000 gesenkt werden.

Außerdem wurde der viel befahrene Streckenabschnitt zwischen Frankfurt am Main und Mannheim komplett saniert. In diesem Jahr soll der Schwerpunkt auf den Strecken zwischen Hamburg und Berlin sowie in Nordrhein-Westfalen zwischen Emmerich und Oberhausen liegen. Gemeinsam mit dem Bund sollen 2025 mehr als 20 Milliarden Euro investiert werden, nachdem 2024 dafür die Rekordsumme von 18,2 Milliarden mobilisiert wurde.

Die Generalsanierungen sollen die Bahn weniger störungsanfällig machen. Im Fernverkehr sollen in diesem Jahr zwischen 65 und 70 Prozent aller Züge pünktlich fahren, also maximal eine Verspätung von weniger als sechs Minuten haben. 2024 waren es nur 62,5 (2023: 64,0) Prozent.

Im internen Strategiepapier „S3“, das der dpa vorliegt, ist von einer „historisch schlechten“ Pünktlichkeit die Rede. Wegen der – auch streikbedingten – Verspätungen zahlte die Bahn Reisenden 2024 fast 200 Millionen Euro Entschädigung. Das waren knapp 70 Millionen Euro mehr als im Jahr davor.

Hauptschuldige an den unzähligen Verspätungen ist aus Bahn-Sicht die marode Infrastruktur. Sie führt zu vielen ungeplanten Baustellen, die den Fahrplan zerschießen. Hinzu kommt die zu hohe Auslastung des Netzes. Teilweise sei man „bereits im Regelbetrieb, spätestens im Störfall an oder deutlich oberhalb der Belastungsgrenze der Infrastruktur“, heißt es im „S3“-Papier.

Der operative Verlust im Fernverkehr stieg im Vergleich zu 2023 von minus 43 auf minus 96 Millionen Euro. Besser entwickelte sich der Regionalverkehr. Der Umsatz der DB Regio wuchs um 5,9 Prozent. Beim operativen Ergebnis erreichte die Tochter mit 108 Millionen Euro nach einem Verlust im Jahr zuvor wieder die Gewinnzone.

Im Bereich Güterverkehr, in dem es deutlich mehr Wettbewerb gibt, beförderte die DB Cargo 2024 rund 180 Millionen Tonnen. Das waren neun Prozent weniger als 2023. Der Umsatz fiel 2024 um 3,2 Prozent. Wegen Einsparungen verbesserte sich das Betriebsergebnis zwar deutlich, blieb mit minus 357 Millionen Euro aber in den roten Zahlen. Die Tochter muss auf Druck der EU-Kommission bis Ende 2026 profitabel werden.

Die Bahn hat ihre profitable Logistiktochter Schenker mittlerweile verkauft, um sich stärker auf das Kerngeschäft im Inland zu konzentrieren. Der Deal wird dieses Jahr vollzogen, ist in den Bahn-Zahlen aber bereits herausgerechnet. DB Schenker hat 2024 operativ erneut mehr als eine Milliarde Euro verdient. Der Verkaufserlös soll vor allem genutzt werden, um die Schuldenlast der Bahn zu drücken. 2025 rechnet der Konzern noch mit Schulden von 26 bis 28 Milliarden Euro. Rtr/dpa

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