Die Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump, ab 2. April Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle importieren Autos zu erheben, hat weltweit zu teilweise heftigen Reaktionen geführt. Die EU, aber auch Japan und Kanada erwägen Gegenmaßnahmen. Trump droht damit eine deutliche Verschärfung der globalen Handelskonflikte herbeizuführen.
Vor allem aus Deutschland gibt es bereits klare Wortmeldungen. Denn die USA sind für die hiesige Automobilindustrie der wichtigste Absatzmarkt, wie jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Kein anderes Land nahm 2024 so viele neue Pkw aus Deutschland ab wie die USA: Sie lagen mit einem Anteil von 13,1 Prozent an den Exporten vorn, gefolgt von Großbritannien (11,3 Prozent) und Frankreich (7,4 Prozent). Deutsche Automobilhersteller produzieren aber auch bereits in großem Umfang Autos in den USA, um Zölle zu vermeiden.
Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bezeichnete die Entscheidung Trumps daher als fatales Signal für freien und regelbasierten Handel. „Die Zölle, die ab dem 2. April in Kraft treten sollen, stellen eine erhebliche Belastung sowohl für die Unternehmen als auch die eng verwobenen globalen Lieferketten der Automobilindustrie dar – mit negativen Folgen vor allem für die Verbraucherinnen und Verbraucher – auch in Nordamerika“, sagte sie. Die deutsche Automobilindustrie fordere deshalb umgehende Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein bilaterales Abkommen.
Der Außenpolitiker Armin Laschet (CDU) sagte in einer ersten Reaktion dem ZDF, es müsse „mit voller Wucht“ reagiert werden. Die Antwort könne allerdings nur europäisch sein, da Außenhandel in EU-Zuständigkeit liegt. „Ähnlich wie Juncker“ in der ersten Amtszeit Trumps geantwortet habe, solle wieder zweigleisig reagiert werden: „Gegenzölle androhen, die treffen und Angebot zu Gesprächen machen“, so Laschet.
Der CDU-Politiker Norbert Röttgen fordert: „Die geschäftsführende Bundesregierung sollte souverän reagieren: cool-unaufgeregt, europäisch und im Kontakt mit dem künftigen Kanzler.“ Die EU sei vorbereitet, Geschlossenheit wichtig. „Ich erwarte gezielte und maßvolle Gegensanktionen, die demonstrieren, dass wir auch Instrumente haben, aber nicht eskalieren.“
Die für Handelspolitik zuständige EU-Kommission kündigte bereits an, entschlossen und deutlich zurückzuschlagen. Sie hatte Trump zuletzt eindringlich vor der Einführung der neuen Zölle gewarnt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte nach der Verkündung der neuen Zölle, dass man europäische Unternehmen schützen werde. Die EU werde sich um Verhandlungslösungen bemühen, teilte sie mit. „Wir werden nun diese Ankündigung zusammen mit anderen Maßnahmen, die die USA in den nächsten Tagen in Betracht ziehen, bewerten.“
Was das konkret heißt, will die EU nicht öffentlich machen, um dem US-Präsidenten konkrete Kalkulationen zu erschweren. Bereits angekündigt ist, dass Mitte April die derzeit ausgesetzten Sonderzölle auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder eingeführt werden. Dies ist aber die Reaktion auf die bereits geltenden US-Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, die vor zwei Wochen in Kraft getreten sind. Je nach Umfang der zusätzlichen US-Maßnahmen sollen sie durch weitere neue Sonderabgaben ergänzt werden. Sie könnten theoretisch auch US-amerikanische Tech-Konzerne wie die des Trump-Vertrauten Elon Musk treffen.
Fast noch stärker als Deutschland ist Japan von den Zöllen betroffen. Der japanische Ministerpräsident Shigeru Ishiba erklärte daher ebenfalls, Tokio werde bald auf die neuen Autozölle der USA reagieren. „Wir müssen abwägen, was das Beste für Japans nationale Interessen ist. Wir legen alle Optionen auf den Tisch, um die effektivste Antwort zu finden“, sagte Ishiba am Donnerstag im Parlament.
Nach Angaben des japanischen Finanzministeriums machten Automobile im Jahr 2024 28,3 Prozent der japanischen Gesamtexporte in die USA aus, der höchste Anteil unter allen Waren. „Japan ist ein Land, das die meisten Investitionen in die Vereinigten Staaten tätigt, daher fragen wir uns, ob es (für Washington) sinnvoll ist, einheitliche Zölle auf alle Länder anzuwenden. Das ist ein Punkt, auf den wir hingewiesen haben und weiterhin hinweisen werden“, so Ishiba.
Auch der kanadische Ministerpräsident Mark Carney bezeichnet die von US-Präsident Donald Trump angekündigten neuen Autozölle als direkten Angriff auf die kanadischen Arbeitnehmer. Denn viele Produzenten haben Werke in Kanada, die dort Teile herstellen, die dann in Werken in den USA eingesetzt werden. Auch diese Autoteile sollen von den Zöllen betroffen sein.
Vor Reportern in Kitchener, Ontario, sagte Carney, er werde am Donnerstag ein hochrangiges Treffen der Kabinettsminister einberufen, um Handelsoptionen zu diskutieren. „Wir werden unsere Arbeiter verteidigen, wir werden unsere Unternehmen verteidigen, wir werden unser Land verteidigen, und wir werden es gemeinsam verteidigen“, sagte er. Kanada erwäge durchaus Vergeltungsmaßnahmen gegen die Vereinigten Staaten, so Carney weiter.
Ob diese Gegenmaßnahmen der einzelnen Länder und Regionen zu einem Umdenken in Washington führen, ist allerdings die große Frage. Idealerweise könnte Trump dadurch davon überzeugt werden, die Zolle vorübergehend wieder auszusetzen – um dann mit Verhandlungen beginnen. Dies war zuletzt bei Kanada und Mexiko der Fall. Doch nun klangen weder Trump noch sein Berater verhandlungsbereit. Die neuen Zölle seien „von Dauer“, sagte der US-Präsident. Ähnlich äußerte sich Navarro.
Weitere Zölle drohen
In der EU wird zudem damit gerechnet, dass neben den Autozöllen auch noch zahlreiche weitere neue Zölle auf Importe verhängt werden können. Trump spricht seit Wochen davon, der 2. April – an dem er ein großangelegtes Zollpaket verkünden will – werde ein „Tag der Befreiung“ für das Land werden.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur informierte die EU-Kommission die Mitgliedstaaten daher am Mittwoch bereits darüber, dass sie sich auf entsprechende Entscheidungen einstellen sollten. Sie könnten beispielsweise Arzneimittelhersteller und Lebensmittelproduzenten aus der EU treffen.
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