Der Krieg in der Ukraine kam dem Hamburger Hafenlogistik-Konzern HHLA dieser Tage wieder einmal ganz nah. „Vor zwei Wochen hat Russland unseren Terminal in Odessa mit Raketen angegriffen. Zwei Mitarbeiter sind dabei verletzt worden“, sagte Angela Titzrath, die Vorstandsvorsitzende der HHLA, am Mittwoch in Hamburg bei der Bilanzpressekonferenz. „Unser Terminal ist voll intakt und in Betrieb. Die HHLA steht zu ihrem Engagement in der Ukraine.“

Der Mehrzweckterminal der HHLA in Odessa am Schwarzen Meer ist eine der modernsten Hafenanlagen der Ukraine, er spielt eine wesentliche Rolle für den unter Kriegsbedingungen extrem eingeschränkten Im- und Export des von Russland im Februar 2022 überfallenen Landes: „Die Gesamtsituation in der Ukraine ist politisch und unternehmerisch weiterhin eine große Herausforderung“, sagte Titzrath.

Sehr viel schwieriger wird auch der Umgang mit den Vereinigten Staaten und der europafeindlich agierenden Administration des neuen US-Präsidenten Donald Trump. „Der Atlantik zwischen Europa und den USA ist breiter geworden“, sagte Titzrath, die Mitte Februar an der Münchner Sicherheitskonferenz teilgenommen hatte. Der neue US-Vizepräsident JD Vance war dort mit übler Polemik gegen die Europäische Union aufgefallen, seine Rede gilt als ein Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen.

Konkrete Sorgen bereitet Titzrath die – von den USA ausgehende – gegenseitige Androhung und die tatsächliche Verhängung neuer Zölle. „Zölle sind ein süßes Gift für die Wirtschaft. Sie versprechen einen Schutz für die heimische Wirtschaft, bewirken aber das Gegenteil. Die Rechnung für Zölle zahlen vor allem auch die Kunden an der Kasse des Supermarktes“, sagte Titzrath.

Sehr gut lassen sich an den Ergebnissen der HHLA allerdings auch gegenläufige Entwicklungen ablesen: Die Sorge vor neuen Zöllen zwischen den USA und Europa führte Ende 2024 – wegen der Aufstockung der Lager – gerade im Export von Europa in die USA zu deutlich steigenden Umschlagzahlen.

In der Gemengelage einer ökonomisch und sicherheitspolitisch zunehmende wirren Welt hat die HHLA ihren operativen Gewinn (Ebit) 2024 um 22,7 Prozent auf 134,3 Millionen Euro erhöht, er lag damit innerhalb der erwarteten Bandbreite von 125 bis 145 Millionen Euro. Der Nettogewinn, der auch Grundlage für die Dividende ist, stieg 2024 auf 32,5 Millionen Euro, im Jahr 2023 hatte die HHLA netto rund 20 Millionen Euro verdient.

Der Containerumschlag an den Hafenterminals der HHLA in Hamburg und in anderen europäischen Häfen stieg 2024 um 0,9 Prozent auf 5,97 Millionen Containereinheiten (TEU). In Hamburg blieb der Containerumschlag mit 5,68 Millionen TEU praktisch konstant. Besonders stark stieg der Containertransport des HHLA-Güterbahnunternehmens Metrans, das europaweit agiert. Metrans legte bei der transportierten Menge um 13,2 Prozent auf 1,54 Millionen TEU zu.

Für 2025 erwartet der HHLA-Vorstand ein operatives Ergebnis „von 195 bis 235 Millionen Euro“. Investieren will die HHLA in diesem Jahr „in einer Bandbreite von 460 bis 510 Millionen Euro. Davon entfallen 420 bis 470 Millionen Euro auf den Teilkonzern Hafenlogistik.“ Die Hamburger Containerterminals der HHLA werden weiter modernisiert und – wie derzeit die größte Anlage, der Burchardkai – auch weiter automatisiert. Deutlich vergrößern will die HHLA außerdem das europäische Terminal-Netzwerk der Metrans, etwa in Serbien, Rumänien, den Niederlanden und in Belgien.

Die HHLA stützt ihre optimistische Prognose unter anderem auf den Ausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF), der für dieses Jahr ein Wachstum des Welthandels von 3,2 Prozent erwartet. Die Fachinstitute der maritimen Wirtschaft kalkulieren mit einem Wachstum des globalen Containerumschlags um 2,8 Prozent.

Ein anderer Wachstumstreiber für die HHLA wird aus Sicht des Vorstands der weltgrößte Maritimkonzern MSC sein. Das Unternehmen des italienischen Gründers Gianluigi Aponte sitzt in Genf. 2024 hat MSC gemeinsam mit der Stadt Hamburg die Kontrolle bei der HHLA übernommen. Die Stadt reduzierte dafür ihren Anteil auf 50,1 Prozent, MSC kauft bis zu 49,9 Prozent der HHLA-Anteile, vor allem auch den Streubesitz an der Börse. Nach Angaben von Titzrath halten beide Unternehmen gemeinsam in der Holding Port of Hamburg derzeit 94 Prozent der HHLA-Anteile, MSC fehlen also noch sechs Prozent bis zum maximal angestrebten Anteil.

In Hamburg konzentriert MSC von diesem Jahr an seine Liniendienste vollständig bei der HHLA und wandert damit vom Containerterminal des HHLA-Konkurrenten Eurogate ab. Insgesamt will MSC seine Ladungsmenge in Hamburg bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts auf eine Million TEU steigern. MSC hat inzwischen auch eigene Mitglieder in den HHLA-Aufsichtsrat entsandt. Die Zusammenarbeit mit dem Konzern laufe auf allen Ebenen „gut und reibungslos“, sagte Titzrath.

Zur Dividendenzahlung teilte der Vorstand mit: „Vorstand und Aufsichtsrat werden der diesjährigen Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 16 Eurocent je dividendenberechtigter A-Aktie vorschlagen. Damit bestätigt die HHLA ihre Dividendenpolitik.“ Im vergangenen Jahr hatte die HHLA 8 Eurocent Dividende gezahlt. Vor der Pandemie, im Jahr 2018, waren es allerdings 80 Eurocent. Und auch 2021 und 2022 lag die Dividende mit 75 Eurocent deutlich höher. Es bleibe das Ziel der HHLA, „ihre ertragsorientierte Ausschüttungspolitik, die eine Auszahlung zwischen 50 und 70 Prozent des Jahresüberschusses nach Anteilen Dritter als Dividende vorsieht, fortzusetzen“.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Die maritime Wirtschaft – Häfen, Schifffahrt und Werften – zählt zu seinen Schwerpunktthemen.

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