Schwere Lastkraftwagen auf der Autobahn, Landmaschinen im Dauereinsatz oder Baufahrzeuge in schwer zugänglichem Gebiet – die Herausforderungen für Nutzfahrzeuge und mobile Arbeitsmaschinen sind deutlich anspruchsvoller als für Pkw. Zwar werden viele Fahrzeuge zukünftig elektrisch unterwegs sein, die verschiedenen Anwendungen bei Nutzfahrzeugen aber erfordern Vielfalt im Antrieb. Um die CO₂-Ziele im Verkehr zu erreichen und die Logistik auf der Straße profitabel zu halten, braucht es daher verschiedene Technologien.

Die Elektromobilität mit Batterie und Brennstoffzelle ist die wichtigste Säule. Daneben spielt aber auch der Verbrennungsmotor, betrieben mit erneuerbaren flüssigen Kraftstoffen und Wasserstoff, weiter eine zentrale Rolle. Lastkraftwagen, die mit Wasserstoffmotor fahren, sind keine Zukunftsmusik. Längst sind Versuchsfahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs, Kleinserien bereits geplant. Technisch hat die deutsche Industrie hier einiges zu bieten. Für den endgültigen Durchbruch bedarf es aber einer gezielten politischen Strategie seitens der neuen Bundesregierung.

Ohne die richtigen politischen Signale und Rahmenbedingungen werden Investitionen gebremst – das verzögert die Industrialisierung von Wasserstofftechnologien wie Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor. Kunden, Anbieter und Versorger müssen wissen, woran sie sind. Eine breite Markteinführung wird die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken.

Die Brennstoffzelle erfährt seitens der Politik Akzeptanz, profitiert etwa von Steuererleichterungen beim Tanken von Wasserstoff. Für den Wasserstoffmotor dagegen fällt für die Nutzung Energiesteuer an, obwohl er eine wichtige Ergänzung zur Brennstoffzelle ist. Er eignet sich insbesondere für schwere Fahrzeuge, die über längere Zeit mit besonders hohen Lasten unterwegs sind – im Fernverkehr und gerade auch bei Bau- und Landmaschinen. Wir sollten anerkennen, dass heute und in Zukunft der Verbrennungsmotor – klimaneutral angetrieben mit Wasserstoff oder erneuerbaren Kraftstoffen – unverzichtbar ist.

Gerade im Bereich der Motorentechnologie können deutsche Hersteller und Zulieferer auf jahrzehntelange Expertise zurückgreifen: Etwa 80 bis 90 Prozent der Technologie beim Wasserstoffmotor kann von klassischen Verbrennern übernommen werden. Das ist erprobtes Know-how, um die Entwicklung und damit auch die Transformation weiter voranzutreiben. Diese Exzellenz dürfen wir nicht leichtfertig durch politische Entscheidungen und Denkverbote aufs Spiel setzen.

Regulatorische Anpassungen erforderlich

Was den Einsatz von Fahrzeugen mit Wasserstoffmotor hemmt: Tanken dürfen sie nicht. Grund ist die Energiesteuer, die die EU für die Nutzung von Wasserstoff in Verbrennungsmotoren, nicht aber in Brennstoffzellen, erhebt. Weil Betreiber von Wasserstofftankstellen den Antrieb nicht unterscheiden können, schließen sie das Betanken von Wasserstoffmotoren aktuell aus, um steuerlich auf Nummer sicher zu gehen. Diese Ungleichbehandlung vonseiten der Politik ist nicht gerechtfertigt.

Erstens ist der Verbrauch im Wasserstoffmotor lokal CO₂-frei. Zweitens werden Strom und Gas für die Wasserstofferzeugung bereits hoch besteuert. Drittens wurden auch bei der batterie- und brennstoffzellenelektrischen Mobilität zahlreiche steuerliche Maßnahmen – von der Energiesteuer bis zur Kfz-Steuer – auf den Weg gebracht. Die Steuerbegünstigungen greifen, obwohl der verwendete Strom beziehungsweise Wasserstoff nur schrittweise auf erneuerbare Quellen umgestellt wird. Dieser Ansatz ist für den Wasserstoffmotor ebenfalls richtig und notwendig.

Ein Ausweg ist schnell umzusetzen. Die EU-Energiesteuerrichtlinie erlaubt den Mitgliedstaaten Steuerbefreiungen als Ausnahme. Eine breite Allianz von Unternehmen und Verbänden ruft daher dazu auf, diese Chance zu nutzen. Die kommende Bundesregierung sollte den Wasserstoffmotor von der Energiesteuer befreien und dies bei der EU-Kommission entsprechend notifizieren.

Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor müssen zukünftig gleichbehandelt werden. Das kann die gesamte Wertschöpfungskette zügig stärken, die Einführung von Wasserstoff gerade für den Einsatz im Verkehr beschleunigen. Und es ginge schneller als eine Gesetzesreform auf europäischer Ebene. Diese wäre zwar sinnvoll – erfordert aber eine einstimmige Entscheidung aller EU-Mitgliedsstaaten, die aktuell in weiter Ferne liegt.

Märkte wie die USA, China und Indien machen es vor

Der Wasserstoffmotor ist eine wertvolle Ergänzung zu anderen Antriebsarten. Zugleich unterstützt ein wachsender Markt für Wasserstoffmotoren den Ausbau der H2-Infrastruktur, bringt die Wasserstoffwirtschaft voran und sichert Arbeitsplätze. Der schrittweise Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt ist, verbindet Pragmatismus mit Klimaschutz.

Märkte wie die USA, China und Indien setzen bereits auf den Wasserstoffmotor und haben erste Serienprojekte auf die Straße gebracht. Sie erschließen sich bewusst alle Technologiepfade – jetzt darf der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht, wie so häufig in den vergangenen Jahren, den Anschluss verlieren.

Deutschland kann zu den Vorreitern bei der industriellen Transformation gehören, sofern die neue Regierungskoalition jetzt richtig entscheidet. Eine Wasserstoffstrategie mit einem klaren Bekenntnis zu Wasserstoffmotoren, alternativen Kraftstoffen und einem klugen Technologiemix ist notwendig, um Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Unser Appell an die zukünftige Bundesregierung: Lassen Sie diese Chance nicht verstreichen!

Arnd Franz ist Vorsitzender der Geschäftsführung des Stuttgarter Automobilzulieferers Mahle GmbH, Stefan Hartung Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Sebastian Schulte Vorstandsvorsitzender des Kölner Motorenherstellers Deutz AG.

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