Unter Oldtimer-Fans gilt Deutschland als Vorbild. Seit 1997 bereits gibt es in der Bundesrepublik das H-Kennzeichen für Autos ab dem Alter von 30 Jahren, die in einem ordentlichen, weitestgehenden Originalzustand erhalten sind – und damit laut Kraftfahrtbundesamt „zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“.

Die Kfz-Steuer ist meist günstiger, die Versicherungskonditionen sind besser. Einschränkungen durch Umweltzonen gelten auch nicht. „Von Oldtimer-Liebhabern aus anderen Ländern ist häufig zu hören, wie sehr sie uns in Deutschland um die hierzulande herrschenden Möglichkeiten beneiden“, sagt Jan Hennen, Vizepräsident des Oldtimer-Verbands Deuvet.

Deutschland sei der nach den USA zweitgrößte Markt für die Oldies. Die Zahl der betagten Autos im Land hat sich von weniger als 190.000 im Jahr 2010 auf mehr als 700.000 erhöht.

Hennen selbst zählt einen Jaguar 420, Baujahr 1967, zu seinen Lieblings-Oldtimern. Das macht ihn fast zu einem Exoten, denn die meisten alten Fahrzeuge hierzulande stammen aus Deutschland selbst. „Mercedes, Porsche und VW sind die drei größten Automarken“, sagt Barbara Kieslich, Präsidentin des Deutschen Automobil-Veteranen-Clubs (DAVC) mit Blick auf die populärsten Oldtimer.

„Dann kommt irgendwann Ford vor BMW, Opel und Fiat.“ Weit dahinter rangiere Citroën DS. Ein Grund: Ein Flügeltür-Mercedes 300 SL Coupé aus den 1950er-Jahren oder ein Ferrari 250 GTO aus den 60ern regen zwar die Fantasie von Autoenthusiasten auf der ganzen Welt an, aber deutsche Oldtimer sind in der Regel bezahlbarer.

Liebevoll gepflegt und bewahrt, erklärt Oldtimer-Experte Hennen, werde häufig ein Wagen, der das Traumauto in der Kindheit gewesen oder etwa vom Vater gefahren worden sei. Wer Jahrzehnte später im Leben Zeit und Geld habe, lege sich gern wieder so ein Auto zu.

Hennen sieht noch einen anderen Aspekt bei der wachsenden Beliebtheit von Oldtimern: die Verteuerung von Neuwagen, deren abnehmende Reparaturfreundlichkeit und das geplante Verbrennerverbot. So mancher spricht schon scherzhaft von „Kubanisierung“. In dem karibischen Inselstaat sind nach wie vor zahlreiche US-Autos aus den 1940er- und 1950er-Jahren auf den Straßen unterwegs und werden irgendwie am Leben gehalten – allerdings in Ermangelung neuer Fahrzeuge.

Oldtimer haben in Deutschland aber nicht nur Fans. Eine oft gehörte Kritik: Die alten Autos verpesteten die Umwelt, seien unsicher und laut. Das will DAVC-Präsidentin Kieslich nicht so stehen lassen. Weniger als 1000 Kilometer pro Jahr lege ein Oldtimer im Durchschnitt zurück, sagt sie. „Und nur ein Prozent aller in Deutschland gefahrenen Kilometer entfallen auf Oldtimer.“

Die betagten Fahrzeuge sind zudem ein gutes Geschäft. Laut Deuvet gibt es in Deutschland rund 3500 Werkstätten und Autohäuser mit zusammen 9000 Beschäftigen, die sich auf Old- und Youngtimer spezialisiert haben.

Als Youngtimer werden Fahrzeuge bezeichnet, die zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Zudem existierten rund 3000 auf Oldtimer fokussierte Teile-Händler. Gastronomie, Hotellerie und andere Dienstleister profitierten von den rund 4000 Events rund um die betagten Vier- und auch Zweiräder, die bundesweit Oldtimer-Freunde anlocken.

„In einem normalen Geschäftsjahr werden dadurch geschätzte 16 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet“, sagt Verbands-Vizepräsident Hennen.

Stephan Maaß ist Wirtschaftsredakteur. Unter anderem berichtet er über Verbraucherthemen und Versicherungen.

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