Der letzte deutsche Flugsaurier tritt ab - und wie. Einmal noch im Eisei-Harakiri-Style von der Schanze. Seinen Flug beim Sieg von Lokalmatador Domen Prevc bricht er ab. Denn am Ende ist Eisenbichler sein Leben näher als eine mögliche Top-Platzierung.
Markus Eisenbichler ließ noch einmal den vielen Tausend Zuschauern den Atem stocken, fluchte noch einmal wie ein Bierkutscher und ließ noch einmal eine seiner unnachahmlichen Analysen folgen. "Das war zu krass. Ich bin froh, dass ich nicht komplett abgeschmiert bin - ich hänge doch an meinem Leben", sagte der künftige Schanzenrentner in der ARD, nachdem seine Karriere als Einzelspringer mit einem typischen Eisei-Harakiri-Flug in Planica geendet war.
Bei der großen slowenischen Flugshow beim Weltcup-Finale im Tal der Schanzen holte sich Domen Prevc den Tagessieg und den Sieg im Flug-Weltcup, den Gewinn des Gesamtweltcups machte der Österreicher Daniel Tschofenig perfekt. Doch für Spektakel sorgte auch und vor allem Eisenbichler, der jüngst noch als der Thomas Müller des Skisprungs bezeichnet wurde. Das Spektakel blieb leider ohne Happy End.
Der deutsche Rekordhalter kam nach einem dicken Fehler nur auf Platz 28. "Ich war vielleicht etwas übermotiviert beim zweiten Sprung, wollte etwas zu sehr angreifen", sagte "Eisei" in der ARD. Weil er zu sehr angriff, musste er den Sprung nach einem Wackler abfangen, um nicht weiter in Gefahr zu geraten.
Er ist damit höchstwahrscheinlich nicht mehr beim Saison-Finalakt der besten 30 des Weltcups am Sonntag dabei. Er hat maximal noch die Möglichkeit, als Nachrücker in das letzte Springen einzuziehen. Dies ist aber eher unwahrscheinlich. Der Team-Wettbewerb am Samstag (9.30 Uhr/ARD und Eurosport) wird damit die Abschiedsvorstellung des sechsmaligen Weltmeisters.
Alles hat seine Zeit, auch die Tränen
"Ich werde es aber extrem vermissen und morgen oder übermorgen ein paar Tränchen vergießen", sagte der 33-Jährige im Regen von Planica. Ein wenig wehmütig und ein wenig angefressen: "Ich bin fein mit meiner Entscheidung. Mich nervt, dass jetzt jeder fragt, ob ich jetzt wirklich aufhören will."
Denn generell, das zeigte der Bayer am heutigen Freitag, hat er es noch drauf: Dritter in der Qualifikation, Platz elf nach dem ersten Durchgang mit 216,5 m, dann aber wieder der komplette Brechstangen-Modus im Finale und dem kapitalen Wackler mit nur 193,5 m. "Ich habe halt zu krass attackiert", sagte der letzte deutsche Flugsaurier.
Bester DSV-Adler war am heutigen Freitag Andreas Wellinger, der mit Flügen auf 227,5 und 225,5 m (430,1 Punkte) Sechster wurde. Karl Geiger, 2020 auf der Letalnica Skiflug-Weltmeister, kam auf Rang sieben. Pius Paschke wurde Zehnter. In der Qualifikation am Donnerstag hatten Wellinger, Paschke und Eisenbichler die Plätze eins bis drei belegt.
Prevc setzte sich unter dem riesigen Jubel Tausender Fans in seinem "Wohnzimmer" mit Flügen auf 234,5 und 237,5 m (459,1 Punkte) vor seinem Landsmann Anze Lanisek (454,8) durch, der im ersten Durchgang mit 242,0 m die Tagesbestweite erzielte. Dritter wurde der Japaner Ryoyu Kobayashi (444,1). Weltmeister Prevc gewann damit vorzeitig die kleine Kristallkugel in der Skiflug-Wertung. Den Gesamtweltcup sicherte sich an seinem 23. Geburtstag Tschofenig. Der Sieger der Vierschanzentournee kam auf Platz vier und kann am Sonntag nicht mehr von seinem Landsmann Jan Hörl verdrängt werden.
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