Niko Kovac versuchte nicht, sich irgendwie herauszureden. Er sei ein Teil der Mannschaft und die habe nun einmal vier von sechs Bundesligaspielen verloren, seit er da ist. „Das ist eine Katastrophe, das muss man ganz klar sagen. Das ist nicht der Anspruch von mir selbst“, erklärte der Trainer von Borussia Dortmund. Die persönliche Betroffenheit war Kovac anzusehen, als er diese zwei Sätze unmittelbar nach der 0:2-Niederlage bei RB Leipzig sagte.

Als die Partie abgepfiffen worden war, wurde Kovac bewusst, dass er seine vordringlichste Aufgabe, die in der Bundesliga seit Monaten strauchelnde Mannschaft doch noch irgendwie in die Champions League zu führen, kaum noch erfüllen kann – sollte nicht ein Wunder passieren. Für den BVB wäre dies das Ende einer lang anhaltenden Negativ-Entwicklung – für Kovac dagegen persönliche Enttäuschung.

Da hilft es wenig, wenn sich die allermeisten Betrachter einig sind, dass der 53-Jährige, der das Team erst vor anderthalb Monaten übernommen hatte, kaum für die mannigfaltigen Probleme, die sich seit Jahren aufgebaut haben, in Haftung genommen werden kann. Die Diskrepanz zwischen internationalen und nationalen Auftritten ist nicht neu.

Schon in der vergangenen Saison gab es in der Bundesliga Probleme. Die Mannschaft, damals noch von Edin Terzic trainiert, wurde nur Fünfter. Nur dank des Erreichens des Champions League-Finales qualifizierte sie sich erneut für die Königsklasse. Dieser Trend verschärfte sich unter Nuri Sahin. Deshalb wurde Kovac ja geholt.

BVB betreibt in Leipzig Chancen-Wucher

„Er kann am wenigsten dafür. Er kann wegen der Intensität der englischen Wochen auch nicht das Trainieren lassen, was er gerne möchte“, sagte Lothar Matthäus. Nicht nur der Weltmeister bescheinigte den Dortmundern in Leipzig eine gute Leistung – wenn auch nur in der zweiten Halbzeit. „Da spielen sie alles oder nichts. Allein Maximilian Beier hätte drei, vier Tore schießen können“, so der Sky-Experte. Diesmal sei im Gegensatz zu vielen anderen Spielen eben auch Pech gewesen.

„Wir hatten heute kein Mentalitätsproblem, wir hatten kein läuferisches Problem. Wir hatten einfach ein Problem mit der Chancenverwertung. So ein Spiel darf man nie verlieren“, sagte Kovac. Hier liegt die persönliche Tragik des erfahrenen Trainers: Die Mannschaft hat unter seiner Leistung zwar Schritte in die richtige Richtung gemacht - sie werden aber nicht durch Ergebnisse gestützt. Kovac hat dem BVB eine klarere Ausrichtung gegeben. Die Anzahl der Gegentore wurde minimiert. Die Dortmunder haben eine insgesamt größere defensive Stabilität. Doch es fehlt etwas Entscheidendes: die Konstanz. Eben die wäre nötig gewesen, um eine Aufholjagd hinzulegen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum es nicht gelingen will, auch in der Bundesliga regelmäßig das abzurufen, was der Mannschaft international gelingt – wie am Mittwoch beim 2:1-Sieg in Lille. „Da haben wir einen Rückstand aufgeholt, in der Bundesliga ist uns das nicht gelungen“, analysierte Kovac. „Es liegt letzten Endes an einigen Dingen: dem Quäntchen Glück, der nötigen Konzentration, der Coolness und der Abgebrühtheit vor dem Tor“, führte er aus. Und natürlich habe es auch mit der Frische zu tun, die am Ende der englischen Woche gegen ausgeruhte Leipziger nicht mehr im ausreichenden Maße vorhanden war.

Schwieriges Restprogramm für den BVB

Entschuldigungen können dies nicht sein, allenfalls Erklärungen. Tatsächlich gibt es bei der schwarz-gelben Achterbahnfahrt ein Muster: Insbesondere nach intensiven internationalen Spielen fehlt es dem Team anschließend an Klarheit, es schleichen sich Fehler ein. Es gibt so etwas wie eine Müdigkeit im Kopf und als Folge auch in den Beinen.

Der Ist-Zustand ist mehr als ernüchternd. Die Dortmunder stehen auf Platz 11- hinter Klubs wie dem VfL Wolfsburg oder dem FC Augsburg. Das Restprogramm macht wenig Mut: Nach der Länderspielpause, während der Kovac wegen der vielen Abstellungen nur sieben Profis im Training haben wird, geht es gegen die starken Mainzer und Freiburger – danach dann zum FC Bayern. Es droht die Gefahr, dass die einzigen Highlights, die diese Saison noch bereithalten wird, die beiden Viertelfinalspiele gegen den FC Barcelona am 9. und 15. April sein werden. Sollten die Dortmunder ausscheiden: Es würde keinen positiven Ankerpunkt mehr geben.

„Sie spekulieren viel“, sagt Kovac

Es wird schwer, diese Spielzeit aufzuarbeiten. Ausgerechnet in der vergangenen Woche kamen Gerüchte auf, dass in den Vertrag von Kovac, der noch zum Ende der kommenden Saison läuft, eine einseitige Ausstiegsklausel festgeschrieben sein soll. Sollte die Champions League-Qualifikation verpasst werden, könnte sich der BVB von ihm trennen, berichtete Bild.

In diesem Fall müssten ihm die Dortmunder zwei Drittel seines Restgehaltes auszahlen, heißt es. Am Samstag wurde Kovac im ZDF-Sportstudio darauf angesprochen. „Sie spekulierten viel. Vielleicht sollte ich den Vertrag mal zeigen, da steht nichts drin“, entgegnete er. Die Spekulationen werden dadurch jedoch nicht aus Welt geschafft.

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