Ganze Welten von besonderer Bedeutung entwickeln sich vor aller Augen: Wer verteilt an wen Likes? Wer verteilt Herzchen und – wie süüß! – aus welchen Gründen? Wer schickt einen Social-Media-Beitrag von anderen weiter, um damit Zustimmung zu signalisieren, womöglich Zuneigung, sogar innigste Gefühle? Und wer macht das eben nicht? Auch das kann ähnlich aufschlussreich sein.
Besonders Jugendliche verbinden mit sozialen Medien das interaktive Leben an sich, Freundschaften sind real im Digitalen. Verbundenheit, Treue, Liebe, auch Enttäuschung, Wut und Hass spielen eine große Rolle.
Da am Ball zu bleiben, ist keine kleine Aufgabe. Es liegt im Interesse der Plattform-Betreiber, die Zeit auszudehnen, stundenlang lassen sich die Beiträge bei Instagram, TikTok und Co. checken.
Das hat negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Erwachsenen. Gerade sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Vodafone veröffentlicht worden. Am stärksten betroffen von einem digitalen Ungleichgewicht ist demnach die „Gen Z“ (18 bis 27 Jahre). 92 Prozent in dieser Altersgruppe nutzen Social Media – obwohl sich nur rund 30 Prozent danach besser fühlen.
Trotz schlechter Erfahrungen schränken die meisten Menschen ihre Smartphone-Nutzung nicht spürbar ein. Für 62 Prozent kommt es auch in Zukunft nicht infrage, das Handy zu Hause zu lassen, um ihre digitale Balance zu verbessern. Bei der Frage, ob sie sich in einer „digitalen Balance“ befinden, sagen von den jungen Leuten nur 17 Prozent „Ja“.
Psychologen und Kommunikationsforscher äußern sich regelmäßig besorgt über die Medien-Gewohnheiten. Digitaler Stress nehme stark zu – mit Folgen auch im realen Leben. Italienische Wissenschaftler haben nun untersucht, wie soziale Medienerwartungen innerhalb von Freundeskreisen die Freundschaften von Jugendlichen prägen.
„Wir zeigen, dass die Wahrnehmung sozialer Medien durch Jugendliche zu digitalem Stress beitragen kann, was wiederum Freundschaftskonflikte verstärkt“, sagt Federica Angelini von der Universität Padua und Erstautorin der Studie in der Zeitschrift „Frontiers in Digital Health“. Enttäuschung über unerfüllte Erwartungen in sozialen Medien zeigten sich als ein starker Stressfaktor.
Mehr als 1100 junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren gaben zweimal Auskunft zu ihrer Nutzung sozialer Medien im Abstand von sechs Monaten. Die Forscher untersuchten insbesondere, wie sich die sogenannte Gefangenschaft auswirkt, also das wahrgenommene Bedürfnis von Jugendlichen, ständig erreichbar zu sein. Ebenso, ob Gefühle von Traurigkeit, Wut oder Frustration zu digitalem Stress und Freundschaftskonflikten führen, etwa wenn Jugendliche feststellen, dass Freunde in sozialen Medien nicht erreichbar sind. Diese Enttäuschung erwies sich nach sechs Monaten als das Verhalten, das am wahrscheinlichsten zu Streit führt.
„Die Betroffenen fühlen sich von der Online-Verfügbarkeit oder -Reaktion ihrer Freunde im Stich gelassen“, sagt Angelini. „Gefangenschaft“ hatte demnach weniger Einfluss auf die Häufigkeit von Konflikten – wohl weil es für die Jugendlichen normal ist, ständig verfügbar zu sein.
Freundschaft ist für sie ein Vollzeitjob, beinahe 24 Stunden am Tag. Werden die eigenen Nachrichten ignoriert, während andere kommentiert werden, wächst bei ihnen Eifersucht oder das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Enorm wichtig sind dabei Fotos und Videos, die starke Reize setzen.
Im November hatten Psychologen von der Universität Amsterdam zudem das Verhalten aller Altersklassen in sozialen Medien untersucht. Demnach reagieren 13- bis 19-Jährige stärker auf soziales Feedback in Form von Likes als Erwachsene. Sie posten mehr, wenn sie viel Zuspruch erhalten, und ziehen sich schneller zurück, wenn der Erfolg ausbleibt. Auch schwankt ihr Gemütszustand, abhängig von den Reaktionen, stärker als bei 30- bis 39-Jährigen.
Selbst das Gehirn verändert sich durch Social-Media-Einfluss. MRT-Scans belegten, dass eine erhöhte Sensibilität für soziales Feedback mit einem veränderten Volumen bestimmter Hirnareale einhergeht, etwa der Amygdala, die für die schnelle Verarbeitung von Emotionen zuständig ist.
Um gesündere Online-Gewohnheiten zu entwickeln, rät Federica Angelini, Grenzen zu setzen, Offline-Zeiten einzuplanen oder Benachrichtigungen entsprechend zu verwalten. „Zu akzeptieren, dass nicht jede Nachricht eine sofortige Antwort erfordert, kann digitalen Stress abbauen und gleichzeitig gesunde Freundschaften pflegen.“
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