Statistik kann Hoffnung geben. Und sie kann grausam sein. Das gilt umso mehr, wenn es um Krebs geht, um die Wahrscheinlichkeit, ihn zu überleben. Für die etwa 21.000 Menschen in Deutschland, die jährlich an Bauchspeicheldrüsen-Karzinomen erkranken, liefert die Statistik düstere Erkenntnisse.
Fast 90 Prozent der Patienten sterben innerhalb der nächsten fünf Jahre. Pankreaskrebs hat damit die zweitniedrigste Überlebensrate aller Krebsformen. Der Grund dafür lässt sich in nüchterne Worte fassen: Die Tumore werden nicht rechtzeitig entdeckt. Oft erst, wenn sie sich ausgebreitet haben. Und Mediziner wissen genau, dass der Kampf gegen Krebs, ein Kampf gegen die Zeit ist. Wenn Tumore erst metastasieren, ist er oftmals verloren.
Umso wertvoller könnte die Entwicklung sein, die Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich gemeinsam mit Kollegen der Oregon Health & Science University (OHSU) in Portland nun im Fachblatt „Science Translational Medicine“ vorgestellt haben. Sie legten die Grundlage für einen Bluttest, der die Krebsgeschwüre bereits in frühen Stadien detektiert.
„Es ist ein preiswerter und pragmatischer Ansatz“, erklärt die biomedizinische Ingenieurin Simone Schürle-Finke von der ETH gegenüber „Nature“.
Pankreaskrebs beginnt häufig in den Gängen der Bauchspeicheldrüse, dort wo die Verdauungsenzyme in dem Darmtrakt ausgeschüttet werden. Von einigen, den sogenannten Matrix-Metalloproteasen (MMP), die Eiweiße abbauen, wissen Mediziner, dass sie in frühen Tumorstadien besonders aktiv sind.
Diese liegen nicht in den Zellen, sondern in der gallertartigen Matrix, die Gewebe und Zellverbände zusammenhält. Während der Wundheilung oder Gefäßbildung werden die MMP aktiv und bauen die Matrix ab. Tumore aber nutzen sie dafür, sich ihren Weg durch das Gewebe zu bahnen. Ihren Namen haben die Enzyme, weil sie in einer bestimmten Region ein Metall-Ion umschließen.
Diese Eigenschaft machten sich die Forscher zunutze: Schürle-Finke und ihr Kollege, der Mikrobiologe Jared Fischer von der OSHU, entwickelten winzige Sensoren, die zum einen mit magnetischer Nanopartikel ausgestattet waren, die die Region mit dem Metall-Ion aufspürte.
Zum anderen besitzen sie ein Molekül, das zu leuchten beginnt, sobald die Sonden an eine MMP binden. Im Anschluss überprüften Schürle-Finke und Fischer ihre Nanosensoren an gefrorenen 356 Blutproben von Menschen, die an Pankreastumoren oder anderen Krankheiten litten oder gesund waren.
Das Ergebnis: Der Test identifizierte die Krebskranken mit einer Genauigkeit von 73 Prozent, Gesunde gar zu 98 Prozent. Und in keinem Fall verwechselte er Gesunde und Krebskranke miteinander.
Dieses Ergebnis hatten selbst die Wissenschaftler nicht erwartet. „Ich war wirklich überrascht, das zu sehen“, sagt Schürle-Finke. Die Sensitivität von 73 Prozent müsse gesteigert werden, bevor der Test in die Routine geht, aber es sei „ein sehr vielversprechendes, sehr beeindruckendes Ergebnis“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke