Brokkoli ist einfach ein herrliches Gemüse. Mit Chili, Knoblauch und Ingwer kurz in der Pfanne angebraten, sodass die Röschen knackig bleiben. Schließlich mit Soja-Soße abgelöscht und zusammen mit Cashew-Nüssen zu Fleisch und Reis serviert. Oder aber, ganz schlicht gehalten, leicht gedünstet mit etwas Meersalz als grüne Beilage für traditionellere Küche – ein Gaumenschmaus. Und furchtbar gesund noch dazu!
Wobei das grüne Kreuzblütengewächs, also Mitglied der Kohlfamilie, natürlich nicht jedem schmeckt. Kaum einmal verläuft die Trennlinie zwischen den Generationen so scharf, wie zwischen Kindern und ihren Eltern in der Brokkolifrage. Für erstere ist es offensichtlich: Letztere wollen den Nachwuchs mit ihren grünen Gemüse-Attacken vergiften.
Schade eigentlich, dieser jugendliche Starrsinn. Denn mehr noch als viele andere Gemüsesorten ist Brokkoli bis in die Spitzen mit Vitaminen und guten Stoffen gefüllt. So soll er gegen Krebs, Diabetes, Magenbakterien und Sehschwäche helfen, bringt Kalium, Eisen, Zink und Natrium auf den Tisch und die Vitamine B1, B2, B6, E, C und Carotin oder Provitamin A in die Mahlzeit. Wichtig dabei ist: Bloß nicht dem Vorbild alter Schulkantinen folgen und das grüne Wunder zerkochen. Gedünstet, gebraten, leicht gegart, zum Beispiel in der Heißluftfritteuse – so bleiben diese Wohltaten erhalten.
Da wäre beispielsweise die Substanz Lutein. Deren chemischer Verwandter, das Betacarotin, ist als Wundermittel in Karotten bekannt, um Augen und Sehkraft zu stärken. Lange Zeit dachte man, dass die menschliche Makula – jener kaum 1,5 Millimeter große Fleck des schärfsten Sehens – größtenteils aus Betacarotin bestehe.
Heute weiß man, dass das metabolisch ähnliche Lutein diese Aufgabe übernimmt. Und Brokkoli hat davon Unmengen. Schon 100 bis 150 Gramm Brokkoli, Grünkohl oder auch Spinat genügen, um den täglichen Bedarf an Lutein zu decken. Um mit Betacarotin die gleichen Effekte zu erzielen, müsste man wohl ein ganzes Kilogramm Möhren am Tag verspeisen.
Auch ist Brokkoli ein wirksames Mittel im Kampf gegen Helicobacter pylori. Dieses Bakterium geht in fließenden Gewässern in eine Art kurzen Winterschlaf über und gelangt so durch das Trinkwasser in unseren Verdauungstrakt. Dort erwacht es und gedeiht in der wohligen Wärme des Magens. In aller Regel führt es eine friedliche Koexistenz mit seinem Wirt. Bei einem von zehn Betroffenen kommt es jedoch zu Komplikationen: Etwa 90 Prozent der Magenschleimhaut-Entzündungen gehen auf diesen Mikroorganismus zurück. Magengeschwüre und sogar Krebs können folgen.
Hier hilft ein ganz besonderer Stoff im Brokkoli: Senföl, genauer Sulforaphan. Das tötet den Keim und ist sogar gegen Helicobacter-Stämme wirksam, die gegen gängige Antibiotika eine Resistenz entwickelt haben.
Zudem wirkt Sulforaphan als starkes, indirektes Antioxidans, indem es bestimmte Enzyme anregt. Deren physiologische Aufgabe es ist, hochreaktiven Sauerstoff einzufangen und so die körpereigenen Zellen zu schützen. Solche freien Sauerstoff-Radikale sind ein Abfallprodukt unseres Stoffwechsels. Sie lassen uns schneller altern und stehen mit verschiedenen Krankheiten im Zusammenhang.
Doch nicht genug, auch gegen Krebs und sogar Diabetes hilft der Wunderstoff aus dem Brokkoli. Eine kanadische Studie ergab etwa, dass der wöchentliche Verzehr von Brokkoli oder Blumenkohl – die beiden sind artverwandt – die Streuung von Prostata-Tumoren um 50 Prozent verringert. Eine Heidelberger Arbeitsgruppe untersuchte derweil die heilende Wirkung bei Bauspeicheldrüsen-Krebs.
In Tierversuchen gelang es, durch die Kombination von Chemotherapien und Sulforaphan, Wachstum und Streuung des Tumors vollständig zu stoppen. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besonders heimtückisch, da diese Erkrankung häufig erst spät bemerkt wird. Die Überlebensrate ist auch deshalb besonders gering, weil die bösartig wachsenden Tumor-Stammzellen sich durch einen bestimmten Stoffwechselweg gegen die Chemotherapie schützen. Genau diesen Signalweg blockiert aber Brokkolis Sulforaphan und macht die Krebs-Zellen offenbar verwundbar. Aber Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums empfehlen es generell.
Und zu guter Letzt die neueste Erkenntnis: Brokkoli hilft sowohl gegen Typ-2-Diabetes als auch die Vorstufe Prädiabetes. Prädiabetes geht häufig einer Typ-2-Diabetes voraus, sie zeigt sich mit einem erhöhten Insulinspiegel und ist schwierig zu behandeln. Weiteres Merkmal ist ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel, der aber noch unter die Diagnose-Schwelle zu Diabetes liegt. Wie schwedische Forscher der Universität Göteborg nun herausfanden, verringert der Verzehr von Sulforaphan-Präparaten den Blutzuckerspiegel. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Fachjournal „Nature Microbiology“.
Bei so viel gesundheitlicher Wohltat mag es zuweilen schwer verständlich sein, weshalb Kinder den Brokkoli-Teller mit einem empörten „Pfui, bäh!“ von sich stoßen. Doch etwas Nachsicht ist angebracht. Denn schuld, so vermuten Evolutionsbiologen, ist eine natürliche Abwehrreaktion gegen Bitterstoffe. Die sollte in vergangenen Epochen wohl allzu neugierige Kinder vor dem Verzehr unbekömmlicher Pflanzen schützen.
Aber: Falls ein Vortrag über die physiologischen Vorzüge das Gemüse keine bekehrende Wirkung zeigt, könnte vielleicht ein Brokkoli-Fondue oder Raclette mit dreierlei Arten Käse überbacken, als letzter Ausweg doch noch das entscheidende Argument für ein bisschen kulinarischen Wagemut liefern. Ein kleiner Happs für den Gaumen – ein großer Schritt für die Gesundheit!
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